Region: Deutsch-türkische Städtepartnerschaften leiden unter Großwetterlage

Die Partnerschaften von Städten in der Region mit Kommunen in der Türkei leiden unter den Spannungen auf nationaler Ebene. Doch nicht immer hat es politische Gründe, wenn der Austausch zwischen den Partnern stockt. Die Partnerschaft zwischen Ludwigshafen und Gaziantep wird derzeit vor allem deshalb ausgebremst, weil derzeit keine Besuchergruppen wegen der unmittelbaren Nähe zur syrischen Grenze in die Stadt in Südostanatolien fliegen könnten, heisst es im Rathaus. „Es gibt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die Region“, sagt Marcel Jurkat, Städtepartnerschaftsbeauftragter in Ludwigshafen. Zuvor habe es jedes
Jahr Reisen von Schüler- und Jugendgruppen gegeben. Das sieht Hans-Uwe Daumann vom Freundeskreis Ludwigshafen Gaziantep anders. „Die Städtepartnerschaft ist auf einem sehr niedrigen Niveau“, meint er und macht dafür die städtische Regierung von Gaziantep verantwortlich, die zur Partei AKP von Präsident Recep
Tayyip Erdogan gehört. Nach einem Anschlag auf eine Hochzeitsfeier in Gaziantep im vergangenen Jahr wollte der Freundeskreis die Opferfamilien unterstützen. „Das ging nicht, weil die Opfer Kurden waren“, sagt Daumann.
Zwischen Neustadt und Mersin-Yenisehir sind derzeit wegen des Referendums aus Sicherheitsgründen keine Reisen geplant, erklärte Dagmar Staab aus Neustadt. „Aber wir stehen nach wie vor zu der Partnerschaft, sie ist im Laufe der Jahre gewachsen, daran ändert auch die politische Situation nichts.“ Zuletzt sei 2014 eine Delegation aus Mersin-Yenisehir nach Neustadt gekommen – mit Besuch des Weinlesefestes und des Winzerumzugs. Der Bürgermeister von Mersin-Yenisehir habe in seinem Neujahrsschreiben erklärt: „Ich danke Ihnen sehr, dass Sie es zum Ausdruck gebracht haben, dass Sie anlässlich der Ereignisse in unserem Land an unserer Seite stehen und an uns denken.“

Vertreter der pfälzischen Gemeinde Haßloch waren erst vor einem Monat in der türkischen Partnerstadt Silifke. „Der Besuch war geplant, bevor Erdogan angefangen hat, Amok zu laufen“, sagt Tobias Meyer, Dezernent
für Städtepartnerschaften der Stadt im Kreis Bad Dürkheim. Bei der Reise sei die aktuelle politische Situation zwar auch Thema gewesen.“Aber allen Beteiligten war sehr schnell klar, dass das zwei paar unterschiedliche Dinge sind: Die Partnerschaft zwischen zwei Kommunen und die Großwetterlage.“ Der Schüleraustausch sei in diesem Sommer ausgesetzt worden. Die Eltern der Schüler in Haßloch hätten gemeint, dass die Sicherheit
nicht gegeben sei. Trotzdem plant Meyer weiter: „Wir wollen den Austausch jetzt mit Inhalten füllen, nicht nur hin und her reisen.“ Derzeit denken die beiden Städte über eine Begegnung von Kunst und Kultur nach, etwa dass Künstler aus beiden Ländern zusammen eine Ausstellung organisieren. Außerdem könnten Jäger zusammen auf die Jagd gehen. Und Mitglieder von Behindertenvereinen sich gegenseitig besuchen. (dpa)