SG Leutershausen: Krachende Heimpleite

Leutershausen (msc).  An das letzte Duell in der Heinrich-Beck-Halle hatten die beiden Teams unterschiedliche Erinnerungen: der ASV Hamm-Westfalen gewann damals mit einem Tor in der Schlusssekunde. Diesmal wollte sich die SG Leutershausen die zwei Punkte nicht aus der eigenen Halle entführen lassen. Ein Unterfangen, das sie vor große Probleme stellte. Hamm zeigte sich im Gegensatz zur letzten Saison, als man nur den 15. Platz in der Abschlusstabelle erreichte, deutlich verbessert und siegte an der Bergstraße verdient mit 27:39 (13:17). „Das tut natürlich weh“, musste SGL-Trainer Marc Nagel nach der Partie eingestehen. „Wir hatten nun zweimal so eine Situation, in der wir mittwochs das Spiel gewinnen und Selbstvertrauen tanken“, erklärte er. Dennoch nahm er sein Team auch etwas in Schutz: ohne Philipp Schulz, der sich gegen Bittenfeld verletzte, und Peter Masica sei es schwer gewesen mit den Gästen aus Hamm über 60 Minuten mitzuhalten. Sein Routinier Matthias Conrad fand für die Leistung der Rot-Weißen deutliche Worte – vielmehr ein deutliches Wort: „Peinlich.“

Dabei war von Beginn an zu spüren, dass beide Teams punkten wollten. Das Resultat: Nervosität. So war die Anfangsphase von überhasteten Abschlüssen und technischen Fehlern geprägt. Für die „Roten Teufel“ stand einmal mehr Keeper Alexander Hübe im Mittelpunkt. Die logische Folge waren vier Paraden in den ersten sechseinhalb Minuten – bei nur zwei Gegentoren. Dennoch lag der ASV Hamm-Westfalen mit 1:2 in Front. Nun fanden die Gastgeber besser in die Partie. „Wir wollten von Anfang an in das Spiel kommen“, erklärte Gästetrainer Kay Rothenpieler die eigene Marschroute: „Nach drei bis vier Minuten ist uns das dann auch gut gelungen.“ Zwei schnelle Tore von Ondrej Zdrahala und Jakob Macke waren der Beweis dafür – 1:4. Keine acht Minuten auf der Uhr und Leutershausen stand mit dem Rücken zur Wand. Hannes Volk und der zuletzt starke Benjamin Prestel übernahmen die Verantwortung und verkürzten zum 3:4. Doch Zeit zum Durchatmen hatte die SGL kaum. Beim Stand von 3:5 gab es eine umstrittene Entscheidung gegen die Bergsträßer. Nagel riss der Geduldsfaden, er lieferte sich ein lautstarkes Gespräch mit den Schiedsrichtern. Das Ergebnis: der gelbe Karton. Nach zwei weiteren Treffern für Hamm zog er dann die erste Auszeit.

Er schien die richtigen Worte gefunden zu haben, denn Leutershausen fand nun besser in die Partie. Zwar konnte das junge SGL-Team nichts am Vier-Tore-Rückstand ändern, er blieb aber immerhin bis zur 23. Minute bestehen – 9:13. Dann wieder Hektik in der Hälfte der Heimmannschaft. Zunächst die Entscheidung auf Foul, mit der zumindest bei den Rot-Weißen und ihren Fans niemand einverstanden war, dann das 9:14 durch Matthias Struck. Und dabei blieb es nicht: Marcel Engels wurde für zwei Minuten hinausgestellt. Die 600 Zuschauer protestierten lautstark, die Verantwortlichen der SG ebenfalls. Nagel nahm seine zweite Auszeit, um das Spiel zu beruhigen. Wieder erzielte seine Auszeit die gewünschte Wirkung, wieder wurde der Rückstand nicht größer – 12:17. Keine ganze Minute war mehr zu spielen in der ersten Halbzeit, als auch Gästetrainer Rothenpieler seine erste Auszeit nahm. Sein Team setzte die Anweisung für den womöglich letzten Angriff des Spielabschnitts allerdings anders um als gedacht. Leutershausen kam in Ballbesitz und konnte in Person von Pascal Durak noch zum 13:17 Pausenstand verkürzen.

Die ersten Minuten nach der Pause gestalteten sich ausgeglichen mit drei Treffern auf beiden Seiten. Ein Unterschied war dennoch auszumachen – Hamm agierte härter. Das war nun auch auf dem Spielberichtsbogen klar zu erkennen. Während der erste Spielabschnitt für die Westfalen weder eine Verwarnung, noch Strafminuten bereithielt, gab es in den ersten acht Minuten der zweiten Hälfte gleich zwei Verwarnungen und einmal zwei Minuten für Björn Wiegers. Diesen Vorteil konnte Leutershausen allerdings nicht nutzen, sodass der Rückstand sich bis zur 42. Minute nicht verminderte, sondern sogar auf sechs Tore anwuchs. Coach Nagel sah es an der Zeit für seine dritte und letzte Auszeit. Wie nach jeder Auszeit bot sich den Fans in der Folge ein ausgeglichenes Spiel. Vier Tore für die Gastgeber, vier Treffer der Gäste. 21:27. Leutershausen musste nun Gas geben – aber es war Hamm, das nun vorpreschte. Zweimal Lars Gudat, Tim Dahlhaus, Zdrahala, Struck. 21:32 – die SGL war bedient. Zwar war diese Schwächephase von Strafzeiten gegen Manuel Frietsch und Benjamin Prestel begünstigt, allerdings trugen auch mehrere Fehlpässe der „Roten Teufel“ dazu bei. Sich von diesem Schock zu erholen, erwies sich als Aufgabe, der das junge Team von Trainer Marc Nagel nicht gewachsen war.

„Wir haben heute keine Einstellung zum Spiel gefunden“, analysierte Conrad nach der Partie. „Wir konnten auf jede Formation der Leutershausener gut reagieren“, war für Hamm-Coach Rothenpieler der Erfolgsfaktor des Abends schnell ausgemacht. Nagel konnte seinem Trainerkollegen nur zustimmen: „Wir haben heute gesehen, was es bedeutet, wenn eine Mannschaft gegen jede Formation eine Lösung findet.“ Auch Abwehrspezialist Conrad räumte nach der Partie ein: „Dass wir uns so abschlachten lassen, ist schade.“ Einen Ausweg hat er jedoch schon ausgemacht: „Wir müssen das jetzt abhaken und schauen, dass wir das am Mittwoch im Pokal und am Samstag in Erlangen besser machen.“