Speyer: Helmut Kohl „mit Freude und bewegt“ im Dom empfangen

Ex-Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hat sich seinen vorweihnachtlichen Besuch im Dom zu Speyer auch in diesem Jahr nicht nehmen lassen. Wie das Bistum mitteilt, empfingen am Dienstag Abend „mit Freude und bewegt“ Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Domkustos Peter Schappert den ehemaligen Regierungschef und seine Ehefrau Dr. Maike Kohl-Richter in der „mit Krippe und Kerzen und Tannenbäumen adventlich geschmückten und weihnachtlich erstrahlenden Kathedrale“. Vor fast genau einem Jahr war der Altkanzler, der gesundheitlich angeschlagen und selten in der Öffentlichkeit zu sehen ist, zuletzt im Dom gewesen.

Sein erster Weg führte ihn, wie immer, vor den Altar und das Marienbildnis. Gemeinsam mit dem Bischof betete das Ehepaar Kohl hier das „Vater unser“ und das „Gegrüßet seist Du Maria“. Sie besichtigten die Weihnachtskrippe, die im südlichen Seitenschiff gerade aufgebaut wird, und zündeten gemeinsam in Stille eine Kerze an – eine Kerze für den Frieden in der Welt. Domorganist Markus Eichenlaub intonierte Choralbearbeitungen des englischen Komponisten Robert Jones und spielte klassische Advents- und Weihnachtslieder, darunter „Stille Nacht, Heilige Nacht“, das traditionell auch in der Christmette erklingt. Zur sichtlichen Freude des Altkanzlers ließ er zudem die berühmte Toccata in d-Moll von Johann Sebastian Bach erklingen. Das Werk wurde bei früheren Besuchen Helmut Kohls mit Staatsgästen im Speyerer Dom regelmäßig gespielt.

Der ehemalige Bundeskanzler ist der romanischen Kathedrale seit seiner Kindheit eng verbunden. In seiner Amtszeit führte Helmut Kohl viele ausländische Staatsgäste nach Speyer und in den Dom, darunter Margaret Thatcher, Michael Gorbatschow, George Bush, Vaclav Havel, Boris Jelzin und König Juan Carlos. In der Ausstellung „Weltbühne Speyer“ im Historischen Museum der Pfalz in Speyer sind Fotos dieser Besuche bis Herbst 2017 zu sehen. Am Beispiel des europäischen Kaiserdoms hat Helmut Kohl seit jeher die Bedeutung des christlichen Glaubens für ein Zusammenleben in Frieden und Freiheit in Deutschland, Europa und der Welt verdeutlicht und dabei klar gemacht, dass Europa nicht nur in Brüssel und Straßburg, sondern überall in Europa stattfindet. Für Helmut Kohl ist der Dom Sinnbild des geeinten Europas und seiner christlichen Wurzeln. (wg)