Speyer: Vom Essen und Feuerlöschen im All – Schau über deutsche Raumfahrer

1978 flog erstmals ein deutscher Astronaut ins Weltall, inzwischen sind ihm zahlreiche Landsleute gefolgt. Eine Ausstellung im Technik Museum Speyer zeigt, was sie alles bei ihren Missionen erlebten.

Speyer (dpa) – Hecht in Gelee, Reissuppe mit Tomate und dazu Preiselbeersaft: Mit diesem Raumfahrtmenü hielt sich die russischen Kosmonauten Anfang der 1990er Jahre auf ihren Erdumkreisungen in der Sojus-Kapsel bei Laune. Nun sind diese originalen Dosen, Tuben und silberfarbenen Tüten Teil einer neuen Ausstellung im Technik Museum in Speyer. Sie stammen aus dem persönlichen Fundus von Klaus-Dietrich Flade, der im März 1992 rund acht Tage im All war.

Zur offiziellen Eröffnung der Schau «Deutschlands Astronauten» am Samstagabend in Speyer sind sechs deutsche Raumfahrer angereist: Ulf Merbold, Ernst Messerschmid, Hans Schlegel, Ulrich Walter, Reinhold Ewald und Gerhard Thiele. Es sei selten, dass so viele Raumfahrer aus Deutschland an einem Ort zusammenkämen, sagt der Generaldirektor der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Johann-Dietrich Wörner, vor geladenen Gästen.

Zum eingespielten Countdown und dem donnernden Start eines US-amerikanischen Space-Shuttles zertrennen die Männer dann ein schwarz-rot-goldenes Band und geben damit die Ausstellung frei. Auf einer Sonderfläche der Raumfahrthalle zeigen Vitrinen persönliche Gegenstände der deutschen Raumfahrer. Fliegerhelme und Druckanzüge etwa, aber auch farbenprächtige Trachten, die in der kasachischen Steppe den Rückkehrern traditionell angelegt werden.

«Das Essen im All kann einem schon mal langweilig werden», erzählt Ewald, der 1997 mehr als 18 Tage an Bord der Raumstation Mir verbrachte. Beim zweitägigen Anflug in der russischen Kapsel fühlte sich Ewald nach eigener Aussage sehr eingeengt. «Als dann noch ein russischer Kollege eine Fischdose öffnete, war die Laune endgültig dahin», sagt der 58-jährige Physiker mit einem Grinsen.

Im Weltall ist vieles komplizierter als auf der Erde. So musste Ewald an Bord der Mir ein Feuer löschen – im All ein lebensbedrohliches Ereignis. «Ich fühlte mich vom Schicksal angepackt», berichtet Ewald, der in Mönchengladbach geboren ist. Die besten Tage für einen Raumfahrer seien die, wo alles gelinge und alle Experimente klappten.

Obwohl vieles trainiert wird, gebe es immer wieder überraschende Momente, sagt Thiele. «Der Moment, als die Schwerelosigkeit eintrat, überraschte mich», bekennt Thiele, der im Jahr 2000 insgesamt elf Tage im Space Shuttle die Erde umrundete. Tagsüber wirke die Erde aus dem All ganz unbewohnt, auch das habe er nicht erwartet.

Bei der Spitzenforschung im All sei Deutschland heute mit den USA auf Augenhöhe, betont Messerschmid. Und für viele Probleme auf der Erde sei Raumfahrt die beste Lösung – da waren sich am Ende alle Raumfahrer in Speyer einig. Dies gelte für eine besser Kommunikation dank Satelliten oder für präzise Messungen zu den Auswirkungen des Klimawandels etwa auf Gletscher oder auf den Anstieg des Meeresspiegels.

Zu sehen sind in der Schau fast 200 Exponate, darunter viele Leihgaben aus dem Privatbesitz der Raumfahrer. Und was Besucher freuen dürfte: Die neue Raumfahrthalle ist Teil der regulären Ausstellung des Museums und kostet keinen gesonderten Eintritt.