SV Sandhausen: Geerdete Euphorie nach Kantersieg

Der vor Beginn der Saison in der 2. Fußball-Bundesliga als Abstiegskandidat gestartete SV Sandhausen feierte mit dem furiosen 6:0 (3:0)-Sieg beim SC Paderborn den dritten Sieg im dritten Saisonspiel – und ist derzeit die Mannschaft der Stunde. Sogar SVS-Präsident Jürgen Machmeier staunte. „Wir haben gegen einen Bundesliga-Absteiger spielerisch klar dominiert. Das war einfach nur sensationell, es hätte eigentlich 8:0 oder 9:0 ausgehen müssen“, sagte er am Tag danach im Gespräch mit RNF. Der höchste Sieg seit dem Aufstieg vor drei Jahren ist auch deshalb überraschend, weil sich die Profis aus der kleinsten Zweitliga-Gemeinde mit dem Toreschießen bislang schwertaten. „Sechs Tore – da hätten wir vor ein paar Monaten noch mindestens sechs Spiele für gebraucht“, flachst der gutgelaunte Präsident.

In den zurückliegenden zwei Spielzeiten war der schwächste Angriff der Liga in Sandhausen daheim, in 68 Spielen gelangen nur 61 Treffer. Jetzt haben die Nordbadener bereits 13 erzielt, dafür brauchten sie im Vorjahr bis kurz vor Weihnachten. In Paderborn trafen Andrew Wooten (6. Minute/61.), Denis Linsmayer (9.), Jakub Kosecki (18.), Aziz Bouhaddouz (53.) und Ranisav Jovanovic (87.). „So etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagte Wooten zum Kantersieg. „Wir wollten unbedingt einen guten Saisonstart hinlegen, und das ist uns gelungen.“ Nicht nur wegen des Abzugs von drei Punkten aufgrund eines Lizenzierungsverstoßes als Kellerkind gehandelt, gelten die Sandhäuser inzwischen als Geheimfavorit. Schließlich stiegen zuletzt mit Darmstadt 98 und 2014 mit Paderborn zwei Mannschaften in die
Bundesliga auf, mit denen ebenfalls keiner gerechnet hatte.

Die Stürmer Wooten (5 Saisontore) und Bouhaddouz (3) haben jedoch das
Interesse anderer Clubs geweckt. „Wir freuen uns, dass unsere gute Arbeit honoriert wird“, sagte Geschäftsführer Otmar Schork. Machmeier fände es gut, wenn der SVS zum ersten Mal einen „nennenswerten Transfererlös“ erzielen würde. Durch den Ausbau des clubeigenen Hardtwald-Stadions haben sich mehr als acht Millionen Euro an Verbindlichkeiten angehäuft. Dennoch wird es Notverkäufe wohl nicht geben.

Für Trainer Alois Schwartz kommt der Aufschwung nicht völlig überraschend. „Wir haben bewusst Spieler aus der dritten und vierten Liga geholt, sie haben sich weiterentwickelt“, erklärte er. Ihm ist es gelungen, in seiner bisher zweijährigen Amtszeit ein Team zusammenzustellen, in dem die Rädchen ineinandergreifen. In der Sommerpause wurde es zudem mit Philipp Klingmann (Karlsruher SC) und dem polnischen Nationalspieler Jakub Kosecki (Legia Warschau) entscheidend verstärkt. Hochfliegende Erwartungen bremst Schwartz dennoch. „Uns fehlen noch 34 Punkte zum Klassenerhalt. Dann sehen wir weiter“, sagte er. (dpa/wg)