SV Waldhof Mannheim: Das andere Ausgliederungskonzept

Der SV Waldhof Mannheim und seine „never ending story“ um die auszugliedernde Spielbetriebsgesellschaft: Heute ging es weiter. Thorsten Riehle, der Vorsitzende des am Freitag zurückgetretenen Aufsichtsrats, stellt das Investorenmodell vor, das das Kontrollgremium und die Mannheimer Runde favorisierten – ein Tag, nachdem die Mannheimer Runde ihr Engagement in Sachen Spielbetriebsgesellschaft für beendet erklärten. RNF dokumentiert es in voller Länge:

Konzeption „Freunde des SV Waldhof Mannheim“

Stand Mai 2016

Vorbemerkungen
Der SV Waldhof Mannheim ist mit seinen Traditionen, mit seiner Fankultur und seinem
Selbstverständnis ein Verein, der durch eine gemeinsame Zieldefinition und einer Vision
nicht nur im Fußball, sondern als Gesamtverein in die Zukunft zu führen ist. Bei einer
Heraustrennung des Profifußballs ist deshalb darauf zu achten, dass die Abteilungen
Gymnastik, Tennis, Handball, Amateurfußball sowie der Kinder- und Jugendfußball eine
Perspektive erhalten. Die Konzeption der „Freundes des SV Waldhof“ zielt darauf ab, diese
Bereiche im Gesamten zu betrachten und Handlungsfähig zu machen.
Schon zu Beginn des Projekts „Mannheimer Weg“, das vor der Saison 2014/15 begann,
wurde in 5 Projektgruppen ein Langfristplan entwickelt. Dieser Plan sieht vor, dass innerhalb
von 3 Jahren der Profifußball in Mannheim angestrebt wird. Die Projekte befassten sich
neben dem Fußball mit dem Image, der Wirtschaftslage, den Abteilungen und der Struktur
für eine Ausgliederung.

1. Konzept der „Freunde des SV Waldhof Mannheim“
Die erste Mannschaft wird in eine Spielbetriebs GmbH ausgegliedert.
a) Der Verein erhält 50% + 1 Stimmrechte. Der Kapitalanteil für den Verein sollte mind. 30%
sein. Der genaue Anteil richtet sich nach dem eingebrachten Kapital und der ideellen Werte
des Vereins.
b) 50% – 1 Stimmrechte erhält eine „Freunde des SV Waldhof Mannheim“ GmbH oder GmbH
& Co. KG aA (im weiteren Freundegesellschaft genannt). Der Kapitalanteil läge hier bei ca.
70%.
c) Die Freundegesellschaft gibt stimmrechtslose Anteile an Unternehmen. Mindestanteil ist
100.000 Euro. Ausgenommen sind Fanverbände, die sich auch mit einem geringeren Betrag
beteiligen können.
d) Die Stimmrechtsanteile der Freundegesellschaft werden von einer der Mannheimer Runde
und des SV Waldhof Mannheim nahen Gruppe gehalten. Die Leitung dieser Gruppe soll eine
vom Verein und der regionalen Unternehmerschaft akzeptierte Person haben.
e) Die Spielbetriebs GmbH hat 7 Aufsichtsräte. Vom Verein werden 4 und von der
Freundegesellschaft 3 Aufsichtsräte entsendet. Die Aufsichtsräte bestehen aus Vertretern
des Vereins (z.B. Präsidium) und aus Persönlichkeiten der Region bzw. Kompetenzträgern
sowie Vertretern der Mannheimer Stadtgesellschaft.
f) Das Grundkapital beträgt 1 Mio. Euro. Bei einem Aufstieg in die 2. Liga wird das Kapital
mind. 2,5 Mio. Euro betragen.
Die Freundegsellschaft ist vom Gedanken der „vielen Schultern“ getragen und für
Unternehmer, die sich den Zielen und Idealen des Vereins verpflichtet sehen, offen. Diese
Unterstützer sind eher als Gönner zu sehen und erhalten kein Mitspracherecht. Das ist auch
notwendig, um sich nicht in der Vielfalt zu behindern. Wichtig ist uns auch die moralische
Einbindung der Fans durch das Recht sich auch mit einem kleineren Beträgen zu beteiligen.
Die erste Million wird von den Herren Brohm, Hanreich, Celebi, Pfitzenmeier, Pekkip und
Harder bereitgestellt. Die Zusicherung zur Kapitalaufstockung bei Aufstieg in Liga 2 liegt
ebenfalls vor. Voraussetzung für das Engagement ist die Neubesetzung des Präsidiums.

2. Wirtschaftliche Entwicklung
Hier wird in einem 3 Jahresplan die finanzielle Stabilität der Einnahmen betrachtet.
a) Für die Saison 2014/2015 wurde von 22 Mitgliedern aus der Mannheimer Runde ein
Betrag von 250.000 Euro zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag war notwendig, um das
Überleben in der Regionalliga zu sichern.
b) Zu den bestehenden Sponsoren von rund 400.000 Euro wurde in der Saison 2015/1016
über zusätzliches neues Sponsoring von 35 Sponsoren, allesamt von der Mannheimer
Runde und Stefan Kleiber geworben, ein Betrag von rund 1,3 Mio. Euro zur Verfügung
gestellt. Dieser Betrag war die Grundlage für die derzeitige Leistung der Mannschaft als
Spitzenreiter in der Regionalliga. Neben Geld sind auch Dienstleistungen und Produkte als
Sponsoring zusätzlich bereitgestellt worden.
c) In der Saison 2016/2017 wird dieser Betrag um weitere 500.000 Euro aufgestockt. Somit
ist für die jetzt schon schlagkräftige Truppe eine qualitative Ergänzung möglich.
d) Durch eine weitere Verbreiterung der Sponsoren ist für die weiteren Jahre eine
kontinuierliche zusätzliche Steigerung des Budgets geplant.
Allein in der der aktuellen Saison konnten zusätzliche Erträge generiert werden:
– Merchandising Umsatz 2015/2016 ca. 370.000 Euro (Vorjahr 154.000 Euro)
– Zuschauerzahl 2015/2016 133.497 (Vorjahr 49.163)
– Zusatzleistungen z.B. Umbau VIP Räume, Reinigung Stadion, kleine Umbaumaßnahmen,
usw. durch Unternehmen der Mannheimer Runde
– Unterstützung durch Meinungsträger wie z.B. Bülent Ceylan

3. Herausforderungen für den Verein
Der Verein hat einige Herausforderungen zu bewältigen. Diese sind insbesondere:
a) Der Kinder- und Jugendfußballbereich muss neu aufgestellt und finanziell unterstützt
werden. Hier benötigt der Verein einen Paten aus dem Profibereich, der nachhaltig
dafür sorgt, diesen für den Verein aber auch den Profifußball wichtigen Bereich nicht
aus dem Fokus zu verlieren.
b) Das Gelände am Alsenweg muss hin zu einem Sportpark im Mannheimer Norden
überdacht werden. Dabei kann die Fläche der Tennisabteilung teilweise überplant
und so den Bedürfnissen der stark verkleinerten Abteilung (rund 80 Mitglieder)
Rechnung getragen werden.
c) Der Sanierungsstau am Alsenweg und im Carl Benz Stadion muss konsequent
abgearbeitet werden.
d) Die expandierende Handball Abteilung mit seinen 16 Mannschaften und rund 200
aktiven Handballerinnen und Handballern benötigt in enger Kooperation mit Verein
und Stadt ein Sanierungskonzept für die Herbert-Lucy-Halle. Außerdem sind weitere
Trainingszeiten für die Weiterentwicklung der Abteilung unabdingbar.
e) Der Verein muss ein neues „Wir“ Gefühl entwickeln, sich besser vernetzen und in der
Öffentlichkeit positionieren. Dafür ist es wichtig, eine hauptamtliche Kraft zur
Verfügung zu stellen, die für alle Vereinsbelange zuständig ist. Es muss aber auch
ein gemeinsames Verständnis formuliert und innerhalb des Vereins gemeinsam
gelebt werden.

4. Fazit
Das vorgestellte Modell der „Freunde des SV Waldhof“ ist auf die Werte Solidarität,
Gemeinschaft und gemeinsames, konsequentes verfolgen des Mannheimer Weg aufgebaut.
Jeder, der sich diesen Werten anschließen kann, ist zur Unterstützung eingeladen. Dieses
Modell muss fortgeschrieben, an die jeweiligen aktuellen Erfordernisse angepasst und weiter
entwickelt werden. Zum Wohle des Vereins und zur Platzierung des Fußballs im
Profibereich.

Thorsten Riehle