Umfrage: Mehrheit der Baden-Württemberger steht hinter Bildungsplan

Homosexualität als Unterrichtsthema? Diese Frage spaltet Baden-Württemberg seit Wochen. Eine neue Umfrage macht das deutlich.

Stuttgart/Verden (dpa/lsw) – Die Mehrheit der Baden-Württemberger stärkt Grün-Rot laut einer Umfrage den Rücken für das Vorhaben, bei Schülern Offenheit gegenüber Schwulen und Lesben zu fördern. 60 Prozent der vom Forschungsinstitut TNS Emnid Befragten gaben an, dem Plan der Landesregierung zuzustimmen. 35 Prozent lehnten es ab, sexuelle Vielfalt als Unterrichtsthema zu behandeln.

Das teilte das Kampagnennetzwerk Campact mit Sitz im niedersächsischen Verden mit, das die repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Hintergrund ist die Debatte um den Bildungsplan 2015 der baden-württembergischen Landesregierung. CDU-Fraktionschef Peter Hauk sagte am Samstag: «Dieses Thema eignet sich nicht für Zahlenspiele.»

Maritta Strasser von Campact betonte, die Umfrage mache aus ihrer Sicht deutlich, dass die Diskussion ein «Sturm im Wasserglas» sei. «Dass 35 Prozent der Bürger ein Problem damit haben, zeigt aber auch, wie nötig das ist. Gerade für junge Menschen ist es wichtig, dass sie akzeptiert werden, so wie sie sind – und keine Angst haben müssen, ausgegrenzt oder diskriminiert zu werden.»

Grün-Rot strebt an, dass Schüler im Unterricht künftig stärker über sexuelle Vielfalt und unterschiedliche Formen des Zusammenlebens informiert werden. Einer Online-Petition gegen den Bildungsplan hatten bis Samstagmittag mehr als 168 000 Menschen ihre Unterstützung zugesichert. Zwei Gegen-Petitionen, von denen eine Campact initiiert hat, zählten zusammen mehr als 217 000 Stimmen.

«Die aktuelle Umfrage von Campact ändert weder etwas an der Stimmung, noch an den Sorgen der Menschen in diesem Land», sagte Hauk. «Unzählige Mails erreichen uns täglich mit der Bitte, gegen die Pläne der Landesregierung vorzugehen und die Toleranz in den Mittelpunkt der Bildung zu stellen.» Dabei gehe es um Toleranz gegenüber «allen Minderheiten und Gruppen, die in Schulen und unserer Gesellschaft diskriminiert werden». Grün-Rot müsse Lehrern zutrauen, dort Schwerpunkte zu setzten, wo sie eine Notwendigkeit erkennen.