Uni-Klinikum Mannheim: Experte sieht keine Hygieneprobleme

Nach neuerlichen Problemen im Hygienebereich der Universitätsklinik Mannheim hat ein Experte Entwarnung gegeben. Er halte es für unwahrscheinlich, dass unsaubere Instrumente in den OP-Bereich gelangt seien, sagte der Vorsitzende der nach dem Hygieneskandal einberufenen Expertenkommission, Oliver Kölbl, am Mittwoch. Auch das Stuttgarter Gesundheitsministerium bleibt entspannt: Man sehe keinen Anlass zum Einschreiten, hieß es.  Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte in der vergangenen Woche bei einer Begehung Mängel bei der Reinigung von Operationsbesteck festgestellt. Demnach waren Fasszangen nicht vollständig zerlegt worden und konnten so nicht komplett von der Reinigungsflüssigkeit umspült werden. Im vergangenen Jahr war das Klinikum wegen massiver Hygieneprobleme bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Daraufhin hatte der Aufsichtsrat der Klinik eine Expertenkommission unter Leitung von Kölbl eingesetzt, der Chef der Regensburger Uniklinik ist. Kölbl sagte, er sehe im aktuellen Fall keinen Grund zur Besorgnis. Selbst wenn Zangen vor dem Sterilisationsprozess nicht ordnungsgemäß geöffnet worden seien, bedeute dies noch längst nicht, dass unsaubere Instrumente in den OP-Bereich gelangt seien. Bei der großen Anzahl von Operationen könne es durchaus vorkommen, dass vereinzelt OP-Besteck nicht ordnungsgemäß zur Reinigung vorbereitet werde. Doch selbst wenn etwas übersehen werden sollte, werde das OP-Besteck nach der Sterilisation noch einmal von einem anderen Mitarbeiter kontrolliert, bevor es wieder für den OP-Betrieb verpackt werde. Durch diese stufenweise Qualitätskontrolle sei die Sicherheit sehr hoch, dass nur ordnungsgemäß sterilisierte Instrumente zum Einsatz kämen. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums wies Forderungen der Deutschen Stiftung Patientenschutz zurück, Gesundheitsministerin Katrin Altpeter (SPD) müsse das Uniklinikum zur Chefsache machen. Dies sei nicht erforderlich, sagte er. Es habe sich gezeigt, dass das Regierungspräsidium in Karlsruhe seine Kontrollfunktion in vollem Umfang wahrnehme. Die Behörde unternehme alles, damit die Hygienemängel beseitigt werden und habe schon im vergangenen Jahr frühzeitig eingegriffen. Zahlreiche Gegenmaßnahmen seien aufgelistet und deren Umsetzung auch kontrolliert worden. Im ursprünglichen Hygieneskandal vom Herbst wird weiter gegen sechs Beschuldigte ermittelt. Gegen sie bestehe weiterhin der Anfangsverdacht des Verstoßes gegen das Medizinproduktegesetz, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Auswertung der beschlagnahmten, sehr umfangreichen Unterlagen sei inzwischen abgeschlossen. Nun werde den Verteidigern Akteneinsicht gewährt. Ob und wann der Fall vor Gericht gehe, sei noch völlig offen. (dpa/lsw)