Uniklinik Mannheim: Vom Hygienemangel zum Politikum

Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Ursache von Hygienemängeln ist ein Streit zwischen dem Aufsichtsrat der Mannheimer Uniklinik und der Fakultät entbrannt. In einem offenen Brief der Fakultätsleitung heißt es, die Mängel entsprängen „dem Willen nach Kostensenkungen“. Die Medizinische Fakultät fürchte wegen der Vorgänge um ihren Ruf. „Eine solche Beschädigung wird sich auf die Beurteilung der Qualität unserer wissenschaftlichen Arbeit auswirken“, steht in dem Schreiben an Mannheims Oberbürgermeister
Peter Kurz (SPD), der Aufsichtsratschef des Uniklinikums ist. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte bei einer Überprüfung Hygienemängel festgestellt. Danach wurden laut Klinikum unter anderem Reinigungsmaschinen für OP-Besteck zu lange nicht überprüft. Zudem fehlten Qualifizierungsnachweise für Mitarbeiter. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Kurz äußerte sich empört. Der offene Brief sei ein einmaliger Vorgang der Selbstgefährdung der Mannheimer Fakultät, erklärte er. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Führung der Fakultät erscheint damit kaum mehr möglich.“ Diese ziehe falsche Schlüsse. Die Darstellung der Gefährdung des wissenschaftlichen Rufs der Fakultät sei „geradezu absurd“.

In dem Brief heißt es, Kurz müsse an der Universitätsmedizin Mannheim eine Führungsstruktur ermöglichen, die die Einrichtung mit allen anderen Kliniken auf Augenhöhe bringe. Das Klinikum ist nach eigenen
Angaben bundesweit das einzige in kommunaler Hand. Die Fakultät gehört zur Uni Heidelberg, die Krankenversorgung zur Stadt. (dpa/lsw)