Viernheim: Geiselnehmer war gebürtiger Mannheimer

Der Geiselnehmer von Viernheim war ein gebürtiger Mannheimer. Das teilt die Staatsanwaltschaft Darmstadt am Freitag Vormittag mit. Der 19-Jährige  lebte in Norddeutschland. Die Waffen, die er bei sich hatte,  waren Schreckschusswaffen. Die Granaten stellten sich als Attrappen raus. Das SEK ging von einer realen Bedrohungssitation aus und erschoss den jungen Mann. Weitere Personen wurden nicht verletzt. „Das Motiv für die Tat ist nach derzeitigem Stand weiterhin unklar. Hinweise auf einen politischen oder terroristischen Hintergrund gibt es nach jetzigen Erkenntnissen nicht.“

Der Täter hatte sich am Donnerstag Nachmittag ins Kinopolis begeben und sich dort maskiert und bewaffnet. Er nahm laut Staatsanwaltschaft vier Angestellte und 14 Besucher, darunter auch Kinder, als Geiseln und bedrohte sie.

Möglicherweise war der Geiselnehmer darauf aus, den Todesschuss erzwingen zu wollen. Das in den USA „Suicide by cop“ (Suizid durch Polizei) genannte Vorgehen sei ein mögliches Motiv, sagte Kriminalpsychologe Rudolf Egg am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn jemand bewaffnet in einem Kino um sich schießt, muss er damit rechnen, dass dies als Terrorgefahr gewertet wird und er von einem hochgerüsteten Einsatzkommando bekämpft wird.“ Dies könne ein Teil des Plans des Täters gewesen sein. Dafür spreche, dass der Mann keine Forderungen gestellt und niemanden persönlich bedroht habe. Ähnliches sei von bestimmten Amokläufern an Schulen bekannt. „Er hat bei dieser Demonstration von Macht und Gewalt im Stil eines Terroraktes die Tötung durch die Polizei in Kauf genommen oder möglicherweise sogar beabsichtigt“, sagte Egg.

Allerdings seien viele wesentliche Fragen noch offen, etwa ob der Täter in psychiatrischer Behandlung war und ob er der Polizei schon früher wegen Gewalt- oder anderer Straftaten aufgefallen war. Der Kriminologe und Psychologe Egg war mehrere Jahre Direktor der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder in Wiesbaden. Er stand auch einige Jahre der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention vor.

RNF berichtet heute Abend weiter über das Thema. (wg)