Weihnachtsmärkte im Südwesten gehen nach Anschlag in Berlin weiter

Die Lust auf Weihnachtsmarkt dürfte nach dem Anschlag in Berlin bei Besuchern und Händlern gedämpft sein. Trotz der Gewalttat gehen die Märkte in Baden-Württemberg weiter. Die Veranstalter halten aber engen Kontakt zu den Sicherheitsbehörden.

Stuttgart (dpa/lsw) – Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag in Berlin haben auf den Weihnachtsmärkten in Baden-Württemberg die Geschäfte am Dienstag wie geplant geöffnet. In Stuttgart begann der Betrieb um 10.00 Uhr, auf dem Christkindlesmarkt in Karlsruhe und den drei Mannheimer Weihnachtsmärkten öffneten die Buden eine Stunde später. Die Märkte in den großen Städten locken jeden Tag viele tausend Menschen an.

Die Innenminister von Bund und Ländern sprachen sich am Vormittag gegen eine Absage von Veranstaltungen aus, wie das Bundesinnenministerium am Dienstag nach einer Telefonkonferenz der Ressortchefs mitteilte.

In Berlin war am Montagabend ein Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt gerast. Dabei wurden mindestens 12 Menschen getötet und 49 verletzt. Die Ermittler gehen von einem Terroranschlag aus. Ein Mann, der wohl als Flüchtling eingereist ist, soll die Tat begangen haben.

Die Veranstalter des Weihnachtsmarktes in der Landeshauptstadt wollten sich eng mit der Polizei abstimmen und Aussagen des Innenministeriums abwarten, sagte ein Sprecher des Veranstalters in.stuttgart am Morgen. Völlige Sicherheit sei nicht zu erreichen. «Wir bewegen uns auf dem Weihnachtsmarkt viel mehr im öffentlichen Raum als zum Beispiel auf dem Volksfest», sagte er.

In Karlsruhe gehe man zunächst von einer unveränderten Gefährdungslage aus, sagte eine Sprecherin der Stadt. Man stehe im Kontakt mit den Landes- und Bundesbehörden.

Auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt sollte es am Dienstagabend (18.00 Uhr) eine Schweigeminute geben. «Wir sind tief erschüttert und in Gedanken bei unseren Kollegen in Berlin», sagte der Chef der Freiburger Wirtschaft- und Tourismusförderung, Bernd Dallmann. «Mit der Schweigeminute wollen wir innehalten und ein Zeichen der Trauer und der Solidarität mit den Menschen in Berlin setzen.» Gleichzeitig werde die Polizeipräsenz auf dem Markt in der Innenstadt erhöht.

In Konstanz wollten Veranstalter und Polizei am Nachmittag beraten, ob die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden können. Ein Vorfall wie in Berlin sei in Konstanz unwahrscheinlich, sagte Veranstalter Heinrich Stracke. Die Zufahrt zum Marktgelände am See sei nur von einer Seite her und nur für Anlieger möglich. Ein Sicherheitsdienst und Polizisten patrouillierten außerdem ohnehin regelmäßig.

Der Handelsverband im Südwesten erwartet indes kaum Beeinträchtigung des Weihnachtsgeschäfts. «Ich glaube, dass die Leute trotzdem in die Innenstädte kommen, sich aber weniger auf dem Weihnachtsmarkt aufhalten und mehr in Geschäften, wo die Anschlagsgefahr niedriger ist», sagte Geschäftsführerin Sabine Hagmann.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) wollte sich nach Angaben eines Sprechers am Mittag während der Regierungspressekonferenz in Stuttgart äußern. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ordnete Trauerbeflaggung der Landesbehörden an.