1899: (Müder) Punkt in Leverkusen

1899 Hoffenheim hat trotz einer saft- und kraftlosen Vorstellung die erste Saison-Niederlage in der
Fußball-Bundesliga verhindert und Bayer Leverkusens Trainer Heiko Herrlich den Sieg beim Heimdebüt verdorben. Drei Tage nach dem Scheitern in den Champions-League-Playoffs beim FC Liverpool waren
die Kraichgauer im Rheinland in allen Belangen unterlegen, kamen aber dennoch zu einem glücklichen 2:2 (0:1). Andrej Kramaric (47.) und Mark Uth (70.) erzielten nach den Bayer-Führungen durch Wendell (33./Foulelfmeter) und Karim Bellarabi (49.) jeweils den Ausgleich. Es waren die einzigen Großchancen für Hoffenheim, das nach dem 1:0 gegen Bremen zum Auftakt vier Punkte auf dem Konto hat. Bayer erwischte nach schwacher Vorsaison und dem 1:3 in München zumindest ergebnistechnisch einen erneuten Fehlstart.

Beide Trainer hatten ihr Team gehörig umgestellt. Hoffenheims Julian Nagelsmann veränderte sein Team gegenüber dem Spiel in England gleich auf fünf Positionen; im Fall der Nationalspieler Serge Gnabry und Kerem Demirbay allerdings aus  Verletzungsgründen. Gnabry stand gar nicht im Kader, Demirbay kam nach der Pause. Herrlich hatte auf eine Dreier-Abwehrkette umgestellt, mit dem
offensiven Admir Mehmedi als rechtem Außenspieler davor. Ins Team rückte wie schon nach der Pause in München Julian Brandt für Leon Bailey. Der 21-Jährige absolvierte damit als zehntjüngster Spieler der Liga-Geschichte und jüngster in der Bayer-Historie sein 100. Bundesliga-Spiel.

Den Ton in der ersten Halbzeit gaben ganz klar die Gastgeber an. Die Hoffenheimer wirkten trotz der zahlreichen Veränderungen müde und uninspiriert, reagierten nur anstatt wie sonst gewohnt zu agieren. So kam Bayer schon in der Anfangsphase zu guten Chancen durch Karim Bellarabi (9.), den Ex-Hoffenheimer Kevin Volland (16.) oder Charles Aranguiz (25./26.). Die erste Strafraum-Aktion der Hoffenheimer erhitzte dann gleich die Gemüter. Sandro Wagner reklamierte ein Foul von Dominik Kohr im Strafraum, Schiedsrichter Harm Osmers entschied nach Rückfrage beim Video-Assistenten nicht auf Elfmeter, Wagner war über die eigenen Beine gestolpert. Anders kurz darauf auf der Gegenseite: Ermin
Bicakcic foulte Brandt, Osmers pfiff, der Video-Assistent hatte keine Einwände und Wendell verwandelte mit viel Glück – der Ball trudelte vom rechten Innenpfosten über die Linie gerade so ins Netz. Nicht nur, weil Kohr in der 38. Minute völlig freistehend das 2:0 hätte erzielen müssen, war Hoffenheim mit dem 0:1 zur Pause gut bedient.

Umso überraschender 100 Sekunden nach der Pause der Ausgleich durch Kramaric, Wagner hatte sich zuvor stark gegen Sven Benderdurchgesetzt. Nur weitere 120 Sekunden später schlug Bayer aber durch
Bellarabi nach schönem Zuspiel von Mehmedi zurück. Danach hatte Bayer das Spiel wieder fest im Griff, lief beim 2:2 aber in einen Konter. Auch Uths Tor wurde erst nach Befragung des Video-Assistenten
gegeben. Der erneute Schock hinterließ Spuren bei Bayer, Hoffenheim wirkte nun endlich geordneter und sicherte das Remis. (dpa/wg)