1899 beendet Bayern-Serie

München (dpa/wg) – Die TSG Hoffenheim hat sich mit einem mutigen Auftritt in München einen Punkt gesichert und neue Symphatien gewonnen. Die Bayern indessen rissen mit einer umgekrempelten Mannschaft vor dem Champions-League Spiel gegen Manchester United keine Bäume aus. 19 Siege in Folge hatten sie zuletzt abgeliefert – aber beim 3:3 (3:2) zwischen dem Rekordmeister und den Badenern crashte diese Erfolgsserie. Nach dem Rückstand durch Anthony Modeste (23.) drehten die Hausherren dank Treffern von Claudio Pizarro (34./40.) und Xherdan Shaqiri (34.) kurzzeitig die Begegnung zu ihren Gunsten. Aber Sejad Salihovic (44.) und Roberto Firmino (75.) schossen die forsch angreifenden Hoffenheimer zu einem verdienten Punktgewinn.

Nach einem schleppenden Start in die Partie sahen die 71 000 Zuschauer drei Tage vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse doch noch ein unterhaltsames und kurioses Spiel. Die schon beim Warmlaufen in ihren Meister-Shirts gefeierten Bayern leisteten sich
viele Unkonzentriertheiten. Die Münchner, bei denen Trainer Pep Guardiola im großen Stil rotieren ließ und das Ensemble im Vergleich zur Titelkür vom Dienstag auf sieben Positionen umstellte, nutzten vor allem das naive Abwehrverhalten der schlechtesten Bundesliga-Defensive. Nach vorne aber imponierte Hoffenheim durchaus.

Auf der Ehrentribüne konnte Uli Hoeneß daher beim ersten
Stadionbesuch nach seiner Verurteilung als Steuerhinterzieher nicht wie gewohnt einen Bayern-Sieg bejubeln. Gegen Hoffenheim war das von Kapitän Bastian
Schweinsteiger angeführte Team von seiner Top-Verfassung weit entfernt. Nach dem Turbotitel war ein Spannungsverlust unverkennbar. Die sonst so sicheren Pass-Stafetten endeten oft in den Füßen des
Gegners. Wie beim 0:1, als Kevin Volland nach einem Ballverlust von Pizarro den enteilten Modeste bediente. Der für Manuel Neuer im Bayern-Tor aufgebotene Tom Starke parierte einmal, war im Nachschuss aber machtlos. Für den Ex-Hoffenheimer Starke war es der erste Gegentreffer im fünften Liga-Spiel für den Rekordmeister. Erstmals seit Ende Januar lag die Guardiola-Elf damit wieder in der Bundesliga zurück. Den Hoffenheimern verhalf die Führung aber keine Sicherheit. Stattdessen ließ sich das Team von Trainer Markus Gisdol auskontern. Nach einer Hereingabe von Shaqiri köpfte Pizarro zum Ausgleich ein. Drei Minuten späte legte der Peruaner eine Rafinha-Flanke auf Shaqiri ab, der verwandelte. Die Münchner hatten
ein Spiel gedreht, in das sie bis dahin gar nicht richtig hineingekommen waren – auch ein Gütesiegel.
Munter ging es in der Münchner Arena weiter. Zunächst verfehlte Pizarro (37.) mit einem lässigen Heber das Hoffenheimer Tor. Nach einem Anspiel von Franck Ribéry netzte der 35-Jährige zu seinem 171.Bundesliga-Tor ein. Kurz vor der Pause verkürzte Salihovic mit einem
sehenswerten Freistoß zum 2:3.

Nach dem Seitenwechsel agierten die Kraichgauer weiter mutig. Firmino (52.) prüfte per Kopf Bayern-Keeper Starke, der öfter eingreifen musste, als er das vielleicht erwartet hatte. Hoffenheims Offensivbemühungen wurden zum Entsetzen der Bayern-Fans belohnt. Firmino nahm die Gelbe Karte für sein beim Torjubel ausgezogenes Trikot gerne mit, denn mit einem Punkt bei den Münchnern hatte wohl keiner gerechnet. Die Bayern, die Toni Kroos und Jérome Boateng gar auf der Tribüne ließen, kassierten damit erstmals seit drei Jahren wieder drei Gegentore in einem Heimspiel.
Am Ende war Hoffenheim dem 4:3 sogar näher. In der Schlussphase hatten beide Torhüter noch große Szenen: Jens Grahl rettete gegen Arjen Robben (87.), Starke gegen Sebastian Rudy (90.).