1899: Ungeschlagene Hoffenheimer im Aufwind – Team besteht „Systemtest“

Keine Niederlage und viel Selbstvertrauen: Nach dem zweiten Sieg in Serie ist die TSG Hoffenheim auf Kurs. Trainer Nagelsmann lobt Taktik und Kompaktheit seines Teams. Die Dreierkette macht sich bezahlt.

Von Patrick Reichardt, dpa

Ingolstadt (dpa/lsw) – Den jüngsten Erfolg wollte Julian Nagelsmann so schnell wie möglich einordnen. «Das ist nur eine Momentaufnahme, aber es sieht nicht verkehrt aus», sagte der 29 Jahre alte Trainer nach dem 2:1 (2:0) seiner TSG 1899 Hoffenheim beim FC Ingolstadt mit Blick auf die Tabelle. In der Fußball-Bundesliga haben die Kraichgauer keines ihrer sechs Spiele verloren und dabei verschiedenste Herausforderungen gemeistert. «Es fühlt sich gut an, dass wir noch ungeschlagen sind», erklärte Nagelsmann.

Dass dies auch beim Gastspiel in Oberbayern so blieb, verdankten die Hoffenheimer einem taktischen Kniff. Wie schon gegen Schalke setzte Coach Nagelsmann auf eine Dreierkette mit drei zweikampfstarken Innenverteidigern. «Die Grundordnung gefällt mir sehr gut. Die Dreierkette hat in den beiden Spielen sehr gut funktioniert», betonte der Trainer. Sein Team habe «sehr gut und stabil verteidigt», verdeutlichte er.

Als zentrale Figur der Dreierkette setzte Nagelsmann auf den aus Köln gekommenen Kevin Vogt, der bei den Rheinländern häufig im Mittelfeld auflief. «Unser Ziel ist es, flexibel zu sein. Wir wollen nicht nur Lösung A, sondern auch Lösung B und C anbieten können», betonte Vogt, der seine Mitspieler Niklas Süle und Benjamin Hübner immer wieder aus der Zentrale heraus dirigierte. Auch Nagelsmann stellte klar: «Wir haben viele Systeme, die wir spielen können.» Gegen den Spielaufbau der Ingolstädter habe er dieses als «passend» empfunden.

Trotz des zweiten Sieges und der Tore von Sandro Wagner (11. Minute) und Kerem Demirbay (35.) bleibt das ganz große Problem der Kraichgauer weiter die Chancenverwertung. «Wir hätten das Spiel einen Tick früher entscheiden müssen», erklärte Nagelsmann. Alleine Stürmer Andrej Kramaric hätte im zweiten Durchgang für eine deutlich frühere Entscheidung sorgen können. «Damit sind wir alle nicht zufrieden. Wir müssen effizienter werden», forderte Vogt. Den späten Anschlusstreffer durch einen Elfmeter von Lukas Hinterseer (90.) empfand er nur als «Schönheitsfehler».

Nagelsmann hatte sich vor der Partie intensiv mit den Ingolstädtern beschäftigt und daher erst einmal eine defensive und abwartende Grundordnung ausgegeben. «Wir haben in Kauf genommen, dass unser Plan zunächst nicht so gut funktioniert», erklärte der Trainer. Doch nach Wagners Führungstor bekam die TSG immer mehr Sicherheit. «Wir haben bis zum Ende hochkonzentriert verteidigt. Julian lebt das vor. So sind wir erfolgreich», lobte auch der 25 Jahre alte Vogt.

Seine Rückkehr nach Ingolstadt feierte Hübner, der nach seinem Wechsel im Sommer erstmals in dieser Bundesliga-Saison für die Hoffenheimer auflief. «Wir sind im Guten auseinander gegangen. Ich gönne den Jungs weiter jeden Punkt und sie gönnen es mir», betonte Hübner. Als Gegenspieler habe er nun aber auch einmal gemerkt, wie es sich anfühle, gegen Ingolstadt zu spielen: «Es ist sehr unangenehm. Sie machen es keinem Gegner leicht.»