32:20 – Rote Teufel landen im Süd-Derby Kantersieg gegen HSG Konstanz

Leutershausen gegen Konstanz – diese Partie hat eine ganz eigene Geschichte: Beide Teams stiegen nach der vergangenen Spielzeit aus der 3. Liga Süd ins Unterhaus der Bundesliga auf; Konstanz als Meister, die SGL als Zweiter. Während der Saison lieferten sie sich heiße Duelle, die attraktivsten Partien der Runde. Sie kennen und schätzen sich seit langem. Dass sie nun in der 2. Liga gegeneinander antreten durften, in der Tabelle nur durch zwei Punkte voneinander getrennt – Konstanz auf Platz 9, die Roten Teufel auf Platz 12 -, das war für beide schon ein kleiner Sieg. Allein die Tatsache, dass die gelb-blau gekleideten Fans der HSG in gleich zwei Bussen nach Leutershausen kamen, sprach für den Stellenwert dieser Begegnung. Über weite Strecken lieferten sich beide Teams an diesem Abend das erwartet spannende Handballspiel auf Augenhöhe, ehe Leutershausen in der zweiten Halbzeit aufdrehte und einen 32:20-Kantersieg landete.

„Vor der Runde hätten wir nicht geglaubt, dass wir in der Lage sein würden, in der zweiten Liga ein Spiel mit 12 Toren zu gewinnen. Es waren heute Kleinigkeiten, die für uns etwas ganz Großes haben entstehen lassen. Das müssen wir jetzt genießen. Es sind aber doch nur zwei Punkte, die wir aber vergolden können, wenn wir am 26. Dezember nach Ferndorf fahren und dort noch einmal gewinnen. Dann können wir wirklich sagen, ob wir einen Schritt nach vorne gemacht haben“, bilanzierte Rote-Teufel-Coach Marc Nagel.

„Ich kann noch gar nicht sagen, woran es heute alles gelegen hat“, sagte HSG-Coach Daniel Eblen nach der Partie, „wir waren einfach unterlegen in jeglicher Hinsicht. Über dieses Spiel muss man jetzt erst einmal schlafen – und dann: Kopf hoch. Direkt nach Weihnachten geht es weiter.“

Das Match war als „Spiel der Herzen“ angesetzt – und nicht wenige Handball-Fans steckten sich bald ein blinkendes Herz an die Brust. Mit dem Kauf dieser Herzen und dem Kauf eines Loses für eine Tombola unterstützten sie zwei Projekte, die sich in besonderer Weise schwer und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen widmen: Zum einen der Kinderinitiative „Strahlenburg“, deren Ziel es ist ein Haus zu bauen, in dem neun Kinder betreut werden können, die zum Teil beatmet werden müssen. Einer der Gründer dieses Vereins ist Uli Roth. Zum anderen halfen die Fans „Radio RUMMS“, einem Projekt an der Universitätsmedizin Mannheim, das Kindern und Jugendlichen, die lange Zeit im Krankenhaus bleiben müssen, nicht nur die Zeit verkürzt, sondern auch noch Medienkompetenz vermittelt: Sie können selbst Radio machen, Interviews führen und die Musik bestimmen – für ein Programm, das überall im Klinikum live zu empfangen ist.

Spaß machte die Partie von der ersten Minute an: Konstanz ging zunächst mit zwei Toren in Führung, die Leutershausen kurz darauf egalisierte. Gut zehn Minuten hielt das Spiel die Balance, ehe sich die Hausherren erstmals entscheidend absetzten. Die Torparade begann mit einem herrlichen Kempa-Trick, den Sascha Pfattheicher zum 6:4 verwandelte (10.), und setzte sich fort mit Treffern von Räpple und Russ zum 8:4 (12.). Erstmals zog HSG-Coach Daniel Eblen die grüne Karte zur Auszeit. Die 900 Zuschauer in der Halle fieberten mit, und sie wurden weiter durch attraktiven Handball belohnt. Leutershausen zog noch auf 10:5 (15.) und 12:7 (19.) davon, ehe die HSG in dieser ersten Halbzeit wieder ernsthaft Paroli bot. Sie saugte sich wieder auf 12:10 (25.) heran. Besonders profitierte sie von ihrem giftigen Angriff, der die SGL-Abwehr immer wieder in den Kreis zwang. Gregor Thomann verwandelte die fünf daraus resultierenden Siebenmeter sicher für die Gäste. Auf Seiten der SG Leutershausen tat sich in den ersten 30 Minuten besonders Stefan Salger hervor: Vier Treffer, teils knallharte Würfe aus dem Rückraum, steuerte er zur Führung der Hausherren bei. Der Stand von 14:11 zur Pause spiegelte den leichten Vorteil für die Hausherren wider. Taktisch war die SGL konsequent geblieben, und das zahlte sich aus: „Unsere 5:1-Deckung, die wir zum ersten Mal gegen Mathias Riedel gespielt haben, weil wir vor ihm ganz großen Respekt hatten, ist sehr gut aufgegangen“, so Marc Nagel. Eine Führung also, die aber noch keine Euphoriestürme bewirkte – Leutershausen wusste aus früheren Begegnungen gegen Konstanz, wie schnell die HSG zurückkommen und eine Partie drehen kann.

Direkt nach dem Wiederanwurf parierte SGL-Keeper Alexander Hübe erst noch einen Siebenmeter, das hinderte die HSG Konstanz aber nicht an einer Aufholjagd. Bereits in der 34. Minute netzte Mathias Riedel zum 14:14 für die Gäste ein – alles wieder offen. Allerdings konterten die Roten Teufel die Begehrlichkeiten der Blauhemden und spielten sich abermals in einen Torerausch. Unterstützt von einem in dieser Phase glänzend aufgelegten Alex Hübe im Tor ließen sie es vorne krachen. Sechs Minuten nach dem Ausgleich lag die SGL wieder 20:15 vorne. Jetzt schaffte es Konstanz kaum noch vors Teufel-Tor – und wenn, dann stand dort immer wieder Hübe auf dem Posten. Die HSG wirkte immer unkonzentrierter, leistete sich unnötige Fehler, aus denen Gegenstöße der Hausherren entstanden – und die ließen sich nicht zwei Mal bitten. 25:16 lautete der Spielstand 14 Minuten vor Ende der Partie. Daniel Eblen platzierte abermals die grüne Karte auf dem Zeitnehmer-Tisch. Danach wirkte Konstanz kurzzeitig wieder agiler, stellte eine aggressive Abwehr und versuchte im Angriff die Roten Teufel durch hohes Tempo auseinanderzuspielen. Aber auch hier passierten Fehler, die Leutershausen in Person seines pfeilschnellen Außens Sascha Pfattheicher in den eigenen Vorteil ummünzte. Leutershausen überrannte den Mitaufsteiger in den Schlussminuten förmlich. Die HSG brach auseinander. 32:20 hieß es am Ende – die SG Leutershausen feierte ihren höchsten Sieg in dieser Saison. In der Freude über das für die Roten Teufel grandios gelaufene Südderby platzierte Coach Marc Nagel noch eine Botschaft in Richtung Liga: „Wenn man das heute miterlebt hat, dann sieht man, was für eine tolle Sportart wir betreiben, und wie toll das wäre, wenn wir eine 2. Liga Süd und eine 2. Liga Nord hätten – dann hätte man eine solche Stimmung mit so vielen tollen Fans nicht nur zwei oder drei Mal in der Saison. Dann hätten wir das viel öfter, und das würde unserer Sportart sicher sehr gut tun.“ (rk)

SG Leutershausen: Hübe, Mangold, Wetzel, Salger 7, Räpple 3/2, Kupijai 1, Pfattheicher 6, Lierz, Ruß 7, Spohn 6, Kubitschek, Conrad, Karpstein, Möller 2.

HSG Konstanz: Poltrum, Glatt, Schlaich 3, Thomann 6/5, Riedel 4, Flockerzie, Stocker 3, Oehler 3, Kaletsch, Krüger, Maier-Hasselmann, Gässler 2, Jud 1, Berchtenbreiter.
Weiterführende Links:
https://www.kinder-initiative-strahlenburg.de/
http://www.radio-rumms.de/