Fr., 28.02.2025 , 18:20 Uhr

Wirtschaft im Umbruch

Reformen und Innovationen dringend notwendig: Interview mit Dr. Tibor Müller, IHK Pfalz

Dr. Tibor Müller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz gibt Auskunft über die wirtschaftliche Situation der Pfalz und was die Unternehmen sowie die Politik jetzt tun müssen.

Ludwigshafen – Die wirtschaftliche Lage in der Pfalz steht vor großen Herausforderungen. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass selbst ein Gigant wie BASF unter dem Druck hoher Energiekosten und globaler Krisen massiv sparen muss. Der Plan, eine Milliarde Euro am Standort Ludwigshafen einzusparen, war für viele ein Schock – aber nicht für die IHK Pfalz.

„Die Rahmenbedingungen am Wirtschaftsstandort Deutschland sind schlecht“, erklärt Dr. Tibor Müller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz, im Interview mit RNF. „Es fehlt an Reformen im Inneren, und wir haben große Spannungen im Äußeren.“ Die Konsequenz: Die gesamte Industrie müsse reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Diversifizierung als Schlüssel zur Zukunft

Die pfälzische Wirtschaft ist stark von der Industrie geprägt – nicht nur von der Chemie, sondern auch von der Automobilbranche. „Das war jahrelang unsere Stärke, doch mit hohen Energiepreisen und geopolitischen Krisen müssen wir uns breiter aufstellen“, so Müller. Besonders die Entwicklung in Richtung Dienstleistungen und Forschung & Entwicklung sei essenziell, um sich unabhängiger von der Industrie zu machen.

Fünf Kernforderungen der IHK

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, stellt die IHK Pfalz fünf zentrale Forderungen an die Bundesregierung:

  1. Bürokratieabbau: „Jeder spürt es – ob im Unternehmen oder privat. Der Aufwand für Formulare und Genehmigungen ist enorm.“
  2. Fachkräftemangel lösen: Die Wirtschaft braucht dringend Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland.
  3. Energiepreise senken: Die hohe Kostenbelastung ist ein Standortnachteil.
  4. Steuern reformieren: Deutschland hat eine der höchsten Unternehmenssteuerlasten weltweit.
  5. Schnellere Genehmigungsverfahren: Planung und Umsetzung neuer Projekte dürfen nicht durch langwierige Prozesse behindert werden.

Regionale Zusammenarbeit: Viel Potenzial, aber auch Herausforderungen

Die Metropolregion Rhein-Neckar steht vor einer besonderen Herausforderung: Drei Bundesländer, drei Landesregierungen, unterschiedliche politische Konstellationen. Dennoch sieht Müller Fortschritte: „Die wirtschaftlichen Probleme sind überall angekommen, und es gibt parteiübergreifenden Willen zur Lösung.“ Doch dieser Wille müsse schnell in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, um die Wirtschaft nicht weiter in die Rezession rutschen zu lassen.

Investitionen als Schlüssel – aber Vertrauen muss zurückkehren

Die wirtschaftliche Transformation erfordert finanzielle Mittel – doch staatliches Geld sei knapp, sagt Müller. „Es gibt genug Kapital in der Privatwirtschaft und bei Investoren. Doch diese brauchen wieder Vertrauen in den Standort Deutschland.“ Innovationen müssten sich lohnen, Investitionen attraktiv sein. Nur so könne man privates Kapital aktivieren und den Wandel beschleunigen.

Hochschulen und Gründer als Zukunftstreiber

Die Anpassungsfähigkeit der pfälzischen Wirtschaft hängt auch davon ab, wie schnell neue Produkte und Dienstleistungen entstehen. Müller sieht hier vor allem die Hochschulen in der Verantwortung: „Wir brauchen mehr Kooperation mit Universitäten, mehr Gründungen, mehr Mut.“ Junge Unternehmerinnen und Unternehmer sollten ermutigt werden, innovative Geschäftsideen in der Region umzusetzen.

Die gesamte Analyse von Dr. Tibor Müller gibt es im Interview bei RNF – ein Blick lohnt sich für alle, die die Zukunft der Pfalz im Blick haben.

basf IHK pfalz wirtschaft

Das könnte Dich auch interessieren

28.02.2025 03:55 Min BASF: Starke Bilanz - aber Ludwigshafen bleibt unter Druck Das Chemieunternehmen BASF hat seine Geschäftszahlen für 2024 präsentiert und zeigt sich trotz wirtschaftlicher Herausforderungen robust. Der Fokus lag auf steigenden Ergebnissen im Kerngeschäft – doch am Standort Ludwigshafen bleibt die Lage angespannt. Einsparungen in Milliardenhöhe und die unsichere politische Situation in Deutschland prägen die Perspektiven. CEO Markus Kamieth fordert von der Politik nach der 15.12.2025 03:44 Min BASF: Neue Standortvereinbarung ab 1.1.2026 Die Chemieindustrie in Deutschland steckt schon seit geraumer Zeit in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Die BASF in Ludwigshafen befindet sich infolgedessen in einem grundlegenden Prozess der Umstrukturierung. Heute haben Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretungen der BASF SE eine neue Standortvereinbarung bekanntgegeben – quasi in letzter Sekunde: Die alte läuft nämlich Ende des Jahres aus. Stefan Kühlein 06.10.2025 03:23 Min EU-Kommissarin Jessika Roswall in Mannheim - Region ist Bioökonomie Vorreiter Bioökonomie und Green Tech – zwei Begriffe, die für viele von Ihnen wohl eher nach Bahnhof klingen, da sie sich wahrscheinlich noch nicht so ausgiebig mit diesen Wörtern beschäftigt haben. Sie sind aber bedeutend. Gerade in der heutigen Zeit. Denn: Bioökonomie und Green Tech schützen die Umwelt, und können darüber hinaus auch neue Jobs schaffen. 17.12.2025 19:10 Min Ältester privater regionaler Fernsehsender kurz vor dem Aus: Bei RNF ist es fünf vor 12 Es ist fünf vor zwölf. Es brennt lichterloh beim Rhein-Neckar Fernsehen. Wenn bis Freitag, 19. Dezember 2025, keine kurzfristige finanzielle Lösung gefunden wird, müssen wir den Sendebetrieb einstellen. Damit stünde die Metropolregion Rhein-Neckar vor dem Verlust einer Institution, die seit fast vier Jahrzehnten für unabhängigen, regionalen Journalismus steht. Das Interview von Laura Grimm mit Tobias