Baden-Württemberg: Das bedeutet die 3. Pandemiestufe

Zusätzlich und ergänzend zu den lokal geltenden und sich am Inzidenz-Wert orientierenden Maßnahmen gelten ab Montag landesweite weitere Strategien, teilt die baden-württembergische Landesregierung mit:

  • Landesweite Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann
  • Das private Zusammentreffen von Personen wird auf max. 10 Personen oder zwei Hausstände begrenzt
  • Ansammlungen werden auf 10 Personen oder zwei Hausstände begrenzt
  • Die Teilnehmerzahl für Veranstaltungen wird auf 100 begrenzt

Zudem werden weitere landesweite Maßnahmen der Ressorts für die Pandemiestufe 3 ergriffen. Dazu gehören an zentraler Stelle:

  • Kliniken: Angesichts der Erwartung eines höheren Patientenaufkommens in den Kliniken, sollten diese ihre für SARS-CoV2 Patienten erforderlichen (Intensiv-)Kapazitäten stufenweise anpassen sowie ausgewählte Behandlungen schrittweise reduzieren
  • Ambulante Versorgung: Die Corona Fieber-Ambulanzen und Teststellen in den besonders betroffenen Regionen werden wieder hochgefahren bzw. ausgeweitet
  • Telemedizin: Ausweitung der Nutzung telemedizinischer Behandlungsmöglichkeiten (auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen) zur Vermeidung von Kontakten in Arztpraxen
  • Schulen: Mit der Änderung der Corona-VO Schule besteht die landesweite Pflicht zum Tragen einer Mund- Nasen-Bedeckung ab Klasse 5 in den weiterführenden Schulen sowie in den beruflichen Schulen auch im Unterricht
  • Einschränkung der nicht-schulischen Nutzung des Schulgebäudes
  • Kitas: Konsequente Distanz bei der Gruppenbildung ist herzustellen
  • Hochschulen: weitreichende Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auch auf den Sitzplätzen

Eine vollständige Übersicht werde am Sonntagabend verkündet, heißt es weiter.

Städte und Landkreise, deren Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche über 50 liegt, können aber per Allgemeinverfügung noch schärfere lokale Maßnahmen ergreifen – wie zum Beispiel nächtliche Ausgangssperren verhängen.

Die dritte Phase zeichnet sich durch einen starken, möglicherweise exponentiellen Anstieg der Fallzahlen mit diffusen, häufig nicht mehr nachvollziehbaren Infektionsketten aus. Das ursprüngliche Konzept der Landesregierung sah für dieses Phase weitere Maßnahmen vor, etwa eine Einschränkung der Anzahl der Personen pro Verkaufsstelle im Einzelhandel und eine Einschränkung des Ausschanks von Alkohol in der Gastronomie. Davon war am Samstag zunächst keine Rede.

Zwar sei der Anteil schwerer Verläufe und die Auslastung der Krankenhäuser vergleichsweise gering, teilte das Staatsministerium mit. Dennoch seien viele Lebensbereiche durch die zunehmende Verbreitung des Virus betroffen, was wiederum das Risiko für vulnerable Gruppen erhöhe. Außerdem falle es den örtlichen Gesundheitsbehörden zunehmend schwer, alle Kontaktpersonen von Neuinfizierten zu ermitteln. «Damit steigt das Risiko, dass sich das Virus diffus ausbreitet.»

Das dreistufige Konzept soll eigentlich eine zweite Welle verhindern. Ministerpräsident Kretschmann appellierte an die Bürger, sich bereits am Wochenende an die verschärften Regeln zu halten und nicht erst bei Inkrafttreten am Montag. «Jede Kontaktvermeidung bringt etwas. Jeder Tag zählt.» Kretschmann warnte die Bevölkerung vor einem erneuten Lockdown. Wenn die Einschränkungen der dritten Alarmstufe über sieben bis zehn Tage nicht wirkten, werde man die Maßnahmen verschärfen und etwa die Treffen im öffentlichen Raum drastisch einschränken, sagte der Grünen-Politiker. «Das muss jedem klar sein: Wenn das nicht geht, dann werden wir zum Schluss sehr viel härter Maßnahmen ergreifen müssen, die dann auch tiefer ins Arbeitsleben eingreifen.» (dpa/kwi)