Bluttat in Worms: Weitere Vernehmungen – Am Dienstag Demonstrationen angekündigt

Die Sicherheitskräfte in Worms bereiten sich im Fall der getöteten jungen Frau auf zwei Kundgebungen vor und wollen die Lager getrennt halten. Ermittler forschen weiter nach dem Motiv für das Verbrechen.

Im Fall der getöteten jungen Frau in Worms will die Polizei weitere Bekannte und Freunde der 21-Jährigen zum Hintergrund der Tat vernehmen. Zum möglichen Motiv des mutmaßlichen Täters, des 22-jährigen Freund des Opfers, machten die Behörden in der Landeshauptstadt Mainz am Montag keine Angaben.

In Worms bereiteten sich die Sicherheitskräfte unterdessen auf eine Kundgebung der AfD (18.00 Uhr) und eine Gegendemonstration (17.00 Uhr) an diesem Dienstag vor. «Wir wollen beide Gruppen nicht aufeinander treffen lassen», sagte ein Polizeisprecher. Die Behörden rechnen mit insgesamt 300 Teilnehmern im Zentrum der Nibelungenstadt. Mit welchem Aufgebot die Polizei vor Ort sein wird, war unklar. «Wir rechnen nicht mit Gewalt», sagte der Sprecher.

Die AfD will bei ihrer Kundgebung nach eigenen Angaben darauf aufmerksam machen, dass der mutmaßliche Täter – ein abgelehnter Asylbewerber aus Tunesien – eigentlich hätte abgeschoben werden sollen. Die Gegendemonstranten, ein «Bündnis gegen Naziaufmärsche Worms», kritisieren die angekündigte Mahnwache als Provokation. Die AfD wolle den Tod der Frau für politische Zwecke instrumentalisieren, hieß es vonseiten des Bündnisses, das nach Polizeiangaben im Antifa-Spektrum verankert ist. Nach den Kundgebungen soll ein Gedenkgottesdienst im Dom stattfinden.

Zu den Ermittlungen zur Bluttat hieß es am Montag aus Polizeikreisen, die Behörden würden derzeit Spuren vom Tatort auswerten. Details wollten die Ermittler vorerst nicht mitteilen. Was den Täter betreffe, gehe man von dem festgenommenen Ex-Freund aus, der sich nach der Tat bei der Polizei gemeldet hatte. Die 21-Jährige war in der Nacht zum Mittwoch im Elternhaus getötet worden. Sie erlitt etwa 15 Stich- und Schnittverletzungen an Rücken, Hals, Lunge und Händen.

Hunderte Menschen hatten in Worms bei einem Trauermarsch und einem Gottesdienst am Samstagabend an die junge Frau erinnert. Dabei kam es zu einem Zwischenfall, als ein 29 Jahre alter Mann in der Kirche «Allahu Akbar» («Gott ist groß») rief. Den Ruf hatten in der Vergangenheit auch Terroristen vor Anschlägen ausgestoßen. Dazu sagte die Polizei am Montag, gegen den Mann werde wegen Störung der Religionsausübung ermittelt. Er habe keine Angaben zum Motiv gemacht. Ein mögliches terroristisches Motiv sei «auch aus anderen Quellen» nicht zu erkennen. Die Polizei ließ ihn nach der Vernehmung gehen. (lrs)