„Chako“ Habekost: „Jeder Pfälzer ist Musiker“

Christian „Chako“ Habekost, Mundart-Comedian aus der Pfalz, vermisst bei vielen Kollegen Spontaneität und eine persönliche Note. Comedy aus Deutschland sei in vielen Fällen austauschbar, sagte der 54-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Das heißt, wenn man das Gesicht nicht dazu sehen würde, sondern nur den reinen Text, dann würde man gar nicht wissen, welcher Comedian das jetzt gerade spricht.“ Das liege an einer Art Normierung, viele Witze würden nach dem gleichen Schema abgespult.
„Mehr Spontaneität, mehr das, was aus Dir rauskommt“, forderte Habekost. Wenn es schräg und lustig sei, werde es sich durchsetzen. Eine Ausbildung in Sachen Comedy lehnt er ab, das fördere die Normierung nur. „Dann wird es noch unlustiger als es ohnehin schon ist“, sagte der promovierte Sprachwissenschaftler, der schon auf ein gutes Dutzend Programme kommt.

„Pfälzisch ist für mich der musikalischste Dialekt, den es gibt“

Er erhält am Montag in Schifferstadt den Saumagen-Orden. Die Karneval- und Tanzsport-Gesellschaft
„Schlotte“ zeichnet Habekost damit aus, weil er „als echter Kurpfälzer und Vertreter der modernen pfälzischen Dichtung“ seine Heimat und ihre Mundart „in hervorragender Weise“ präsentiere.Obwohl Habekost auf der Bühne aktuell auch Burnout, Superfood und Rassismus thematisiert, dreht sich bei ihm vieles um die Pfälzer und ihre Sprache. „Pfälzisch ist für mich der musikalischste Dialekt, den es gibt“, sagte er. Ihm wohne ein Rhythmus inne. „Das bedeutet, dass jeder Pfälzer, der den Dialekt spricht, automatisch Musiker ist – auch wenn er es nicht weiß.“ Zwar habe jeder Dialekt eine eigene Musikalität. „Aber der Pfälzer Dialekt ist der, der am meisten groovt.“ Leider hätten immer mehr junge Menschen keine eigene Mundart mehr. Dabei schaffe die mehr Variationsbreite, man werde dadurch automatisch zweisprachig und könne immer wieder ins Hochdeutsche wechseln, „das versteht ja sowieso jeder“.

„Dialekt uff de Gass geholt“

Habekost selbst stammt aus einem Elternhaus, in dem kein Pfälzisch gesprochen wurde. Für ihn sei der Dialekt auch „eine Art Widerstandsinstrument“ gewesen, sagte er. Außerdem habe er sich mit dem Pfälzischen „uff de Gass“ – also auf der Straße – besser durchsetzen und soziale Unterschiede leichter überbrücken können. „Deswegen hab‘ ich mir den Dialekt uff de Gass geholt.“ Seine Eltern hätten dann Einfluss nehmen wollen, aber vergebens. „Und heute ist natürlich großer Stolz angesagt, dass der Bu‘ oder der Bub oder der Junge mit seinem Dialekt auch noch Geld verdienen kann.“

Persönliche Vorliebe für Situationskomik

Der Comedian selbst lacht nach eigenen Angaben am meisten über Situationskomik, über Komik, „die nicht gewollt oder fabriziert oder konstruiert wird“. Auch Komik erzeugende Jähzorn-Anfälle in Komödien
bringen den gebürtigen Mannheimer zum Lachen. „Ich war selbst ein ziemlich jähzorniger kleiner Junge, und wenn ich das dann sehe, dann erwacht das Kind in mir und lacht sich darüber kaputt, dass es anderen Menschen auch so geht.“ Unter den deutschen Humorschaffenden sticht für ihn keiner heraus, er richtet lieber den Blick nach Großbritannien. Zwar hätten die Briten den Deutschen in Sachen Humor nicht unbedingt etwas voraus, sie hätten aber weniger Grenzen – „sowohl Geschmacksgrenzen als auch thematische Grenzen, die wir uns teils künstlich auferlegen“.

Kein Saumagen-Fan

Dass bei der Ordensverleihung am Montag echter Saumagen serviert wird, trägt der Vegetarier mit Fassung. Er soll einen „vegetarischen Saumagen“ bekommen. Dass der „Vorzeige-Pfälzer“ nicht auf das
Original-Nationalgericht der Pfälzer steht, macht es mitunter schwer. Aber Habekost weiß: „Du musst kein von Lipiden geprägter Fleischesser sein, um gleichzeitig Pfälzer sein zu können.“ (dpa)