Frankenthal: Brandstiftung von Harthausen muss laut Gericht kein versuchter Mord sein

Ein Schrotthändler soll auf dem Gelände eines Flüssiggashändlers Feuer gelegt haben, mit verheerenden Folgen. Vor Gericht wird nun klar: Die Vorwürfe der Anklage könnten abgeschwächt werden.

Frankenthal (dpa/lrs) – Für den Hauptangeklagten im Prozess um die schweren Gasexplosionen von Harthausen ist der letzte Sitzungstag vor den Plädoyers mit einer positiven Nachricht zu Ende gegangen. In einem rechtlichen Hinweis erklärte das Landgericht Frankenthal am Freitag, denkbar sei auch eine weniger strenge Gewichtung der Vorwürfe als in der Anklage: In diesem Fall würde das Gericht nicht von versuchtem Mord und gefährlicher Körperverletzung ausgehen. Übrig bliebe der Vorwurf, unter anderem eine Sprengstoffexplosion und eine versuchte Sprengstoffexplosion mit Todesfolge sowie Brandstiftung und fahrlässige Körperverletzung begangen zu haben.

Versuchter Mord kann mit lebenslanger Haft bestraft werden. Denkbar ist laut dem Gericht aber auch, dass die Tat in einem Punkt strenger bewertet wird als in der Anklage. In diesem Fall würde nicht mehr von Brandstiftung, sondern von besonders schwerer Brandstiftung ausgegangen. Zudem bliebe es bei Mordversuch und gefährlicher Körperverletzung. Laut Staatsanwaltschaft wäre diese Verschärfung aber nicht relevant für das Strafmaß.

Der Prozess geht am 27. November mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft weiter. Die Anklage wirft dem 41 Jahre alten Schrotthändler aus Mittelfranken vor, am 28. September auf dem Gelände einer Gasfirma in Harthausen drei Tanklastzüge angezündet zu haben, um die Familie des Inhabers zu töten. Die Tochter des Händlers war seine Ex-Freundin und -Geschäftspartnerin. Es kam zu mehreren Gasexplosionen und Bränden. Beim Löschen wurden 17 Feuerwehrleute verletzt, einige schwer. Die Anklage beruht weitgehend auf dem Geständnis einer 27-Jährigen, die dem Schrotthändler nach eigenen Angaben bei der Brandstiftung geholfen hatte. Der Mann selbst schweigt. Sein Anwalt Markus Meißner wertete den Hinweis des Gerichts am Freitag positiv. Zugleich betonte er die Auffassung, die Frau habe bei der Tat eine größere Rolle gespielt als bislang angenommen.