Frankenthal: Freundin des Mannes erstochen – Haft für vierfache Mutter

Sie hatte sich mit Brille und Perücke maskiert und stach nach einem Streit zu: Weil sie die Freundin ihres Mannes getötet hat, ist eine Frau vom Landgericht Frankenthal zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sprachen die geständige 53-Jährige am Montag des Totschlags schuldig. „Es kann durchaus sein, dass ein Mord vorlag, aber man kann letztlich nicht ausschließen, dass es etwas anderes war“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Wolpert. Deshalb müsse man nach dem Grundsatz „im Zweifel für die Angeklagte“ verfahren. Die vierfache Mutter hatte zugegeben, die
Nebenbuhlerin erstochen zu haben. Unter Tränen beteuerte sie, dass sie die Tat bedauere.
Nach Wolperts Darstellung hatte die 53-Jährige aus Haßloch auch nach dem Auszug ihres Mannes Ende 2013 die Hoffnung, dass „die Ehe doch
noch in Ordnung kommen könnte“. Es bestehe kein Zweifel daran, dass sie bei dem Zusammentreffen am 17. Februar eine Aussprache mit der
Freundin des Mannes gesucht habe – als „Alternativplan“ habe sie aber auch in Betracht gezogen, diese zu töten. Die Ausstattung der Frau lasse den Schluss zu, dass sie nicht vorzeitig von der anderen habe erkannt werden wollen. Auch Einweghandschuhe, die sie dabeihatte, sprächen dafür, dass es ihr um mehr als eine Nötigung oder Drohung gegangen sei.
Das Opfer habe möglicherweise Dinge gesagt, die die Angeklagte als diffamierend empfunden habe, sagte Wolpert. Sie habe das Messer gehoben. Als die andere danach gegriffen habe, habe die Angreiferin elfmal zugestochen. Dann habe sie die Tote entkleidet, um ein Sexualdelikt vorzutäuschen und sei geflüchtet.
Aus Sicht des Gerichts sei es denkbar, dass die Mordmerkmale der Heimtücke oder der niedrigen Beweggründe verwirklicht seien, aber denkbar allein reiche nicht, sagte Wolpert. Wenn man sich an der Aussage der Angeklagten orientiere, liege keine Heimtücke vor, denn die Frauen hätten sich vor den Stichen noch einen Wortwechsel geliefert. Von niedrigen Beweggründen gehe das Gericht nicht aus, weil die Frau unter einer akuten Belastungssituation gelitten habe.

Der Staatsanwalt hatte elf Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger der Frau hatte eine geringere Strafe verlangt. Der Anwalt der Nebenklage, der den Bruder des Opfers vertrat, ging davon aus, dass die 53-Jährige die andere töten wollte. Er forderte vom Gericht den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht komme. Der Bruder des Opfers sagte, er glaube nicht, dass die Frau mit seiner Schwester sprechen wollte. (lrs)