Frankenthal: Prozess um mutmaßliche Morde in Pfälzer Seniorenheim beginnt am Montag – RNF berichtet

Sie sollen Senioren gequält, gefilmt und schließlich ermordet haben: Nun stehen drei Ex-Mitarbeiter eines Heims in der Pfalz vor Gericht. Das Rhein-Neckar Fernsehen berichtet am Montag in RNF LIFE ausführlich über den Prozessauftakt in Frankenthal.

Von Jasper Rothfels (dpa)

Ihr Tatmotiv soll Langeweile und Machtgier gewesen sein. In einem Altenheim im pfälzischen Lambrecht sollen zwei Männer und eine Frau Senioren gequält, gefilmt und schließlich ermordet haben. Am Montag beginnt vor dem Landgericht Frankenthal der Prozess gegen die ehemaligen Heim-Mitarbeiter. Vorgeworfen werden ihnen zwei Morde und ein Mordversuch. Einen der beiden Morde sollen nur die Männer begangen haben.

Womöglich hat das Verbrechen noch eine größere Dimension: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob es noch weitere Fälle gibt. Insgesamt – also einschließlich der Fälle in der Anklage – werden 40 Todesfälle aus dem Heim überprüft.


AUS DEM ARCHIV: RNF berichtete unter anderem am 26. Dezember 2016 über diesen Fall


Auch mehrere Misshandlungen und ein Fall des schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Patientin werden den Dreien zur Last gelegt. Den Missbrauch sollen sie ebenso wie Misshandlungen per Smartphone gefilmt und fotografiert haben.

Für den Fall, der zu Beginn dieses Jahres für Aufsehen sorgte, sind bis Ende November vorerst zwölf Termine anberaumt. 84 Zeugen und zwei Sachverständige sind nach Angaben eines Gerichtssprechers bislang geladen.

Offen ist, wie der aktuelle Stand bei den weiteren Todesfällen ist. «Über den Stand kann ich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sprechen», sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Frankental, Hubert Ströber. Für die Anklage habe man sich «auf die aus unserer Sicht relativ schnell nachweisbaren Fälle» konzentriert. Die anderen machten mehr Mühe.

Nach Einschätzung der Ermittler haben die damalige Altenpflegerin (27) und die beiden Altenpflegehelfer im Dezember 2015 eine 85-jährige Heimbewohnerin mit einem Kissen erstickt. Zuvor sollen sie der Frau aus Mordabsicht Insulin verabreicht haben.

Die 24 und 48 Jahre alten Männer sollen außerdem im Februar 2016 eine 62 Jahre alte Bewohnerin ermordet haben, indem sie ihr Insulin spritzten. Im März 2016 sollen alle drei versucht haben, eine 89-jährige Bewohnerin mit Insulin und Morphin zu töten.

Die Staatsanwaltschaft legt den Angeklagten in allen Fällen die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe zur Last. Sie hätten aus Langeweile gehandelt «und um ihre Macht gegenüber den Bewohnern auszuüben». Zu den mutmaßlichen Misshandlungen heißt es, die Opfer seien mit Gegenständen beworfen worden oder hätten grundlos Medikamente wie zum Beispiel Abführmittel verabreicht bekommen.

Während der 24-Jährige die Tötung einer Heiminsassin gestanden hat, bestreiten die beiden anderen die Mordvorwürfe. Die Misshandlungen und die Diebstähle haben die drei laut Staatsanwaltschaft «grundsätzlich» zugegeben, den Missbrauch bestritten alle drei. Zwischen Juli 2015 und August 2016 sollen sie außerdem Bargeld und Wertgegenstände von Heimbewohnern gestohlen haben. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft. Einer der Anwälte wollte sich vor Prozessbeginn nicht äußern, die übrigen waren vor dem Wochenende nicht zu erreichen.

Die Ermittler stützen ihre Vorwürfe unter anderem auf die Auswertung der Handys. Dank einer anderen Mitarbeiterin des Hauses waren sie dem Trio auf die Spur gekommen. Die Frau habe von den Handyaufnahmen erfahren und die Heimleitung eingeschaltet, die sich an die Polizei gewandt habe – so hatte es der Geschäftsführer des Bezirksverbandes Pfalz der Arbeiterwohlfahrt, Markus Broeckmann, im Januar gesagt. Die Beamten nahmen den Verdächtigen die Handys ab, auf denen sich die Filme befinden sollen. Dass auch ein Mord passiert sein könnte, wurde offenbar beim Auswerten von Handy-Chatverläufen klar.

Der Prozess erinnert an einen Fall in Niedersachsen, der allerdings eine größere Dimension hatte. Beim verurteilten Patientenmörder Niels H. gehen die Ermittler nach fast dreijährigen Ermittlungen davon aus, dass er mindestens 84 weitere Menschen an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst in Niedersachsen umgebracht hat.

Wegen sechs Taten sitzt der Ex-Pfleger bereits lebenslang in Haft, darunter zwei Morde. Er hatte gestanden, Patienten eine Überdosis von Medikamenten gespritzt zu haben, um sie anschließend wiederbeleben zu können. Damit wollte er sich vor Kollegen als heldenhafter Retter beweisen. (lrs)