(AKTUALISIERT:)Frankenthal/Speyer: Zweieinhalb Jahre Gefängnis für 86-jährigen Angeklagten – Demenzkranke Frau getötet

Weil er seine demenzkranke Ehefrau mit einer Plastiktüte erstickt hat, ist der 86 Jahre alte Ehemann wegen
Totschlags in einem minderschweren Fall zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Frankenthal sprach am Dienstag von einem tragischen Fall und einer familiären Tragödie. Durch die intensive Pflege der 83-Jährigen sei der Angeklagte in den vergangenen Jahren zunehmend
überarbeitet gewesen, urteilten die Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte 3 Jahre und 3 Monate gefordert. Die Verteidigung hatte sich für eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren ausgesprochen.

ERSTMELDUNG:

Ein 86-jähriger Mann aus Speyer will seine demenzkranke Frau aus Mitleid getötet haben. Zum Prozessauftakt am Landgericht Frankenthal verlautete, der Angeklagte habe befürchtet, dass die 83-Jährige bei einer Verlegung in ein Seniorenheim nicht die gleiche liebevolle Pflege erhalten hätte wie in der gemeinsamen Wohnung. Der Verteidiger verlas die Erklärung seines Mandanten. Der Ehemann habe daher seiner Frau Schlaftabletten verabreicht und eine Plastiktüte über ihren Kopf gestülpt. Die Frau erstickte. Danach habe er sich auf gleiche Weise töten wollen. Der Angeklagte konnte aber gerettet werden, weil sein Sohn ihn entdeckte. Die Anklage lautet auf Totschlag. Auch eine Verurteilung wegen minderschweren Totschlags komme infrage, merkte der Richter an. Zudem könnte nach Einschätzung eines Gutachters eine psychische Ausnahmesituation vorgelegen haben. Das Urteil wird möglicherweise noch heute gesprochen. (mho/dpa)