Fußball: 1899 Hoffenheim spricht zum ersten Mal offen über das Ziel „Europa League“

Der Ausrutscher von Augsburg, die Unentschieden von Dortmund und Schalke – all das kam Hoffenheim am Wochenende sehr entgegen. Doppel-Torschütze Polanski brach den Bann und sprach als erster offen von einer Europa-League-Teilnahme der TSG.

Sinsheim (dpa/lsw) – Um das Thema Europa League wandten sich die Verantwortlichen und Profis von 1899 Hoffenheim bisher wie wild herum – bis Eugen Polanski kam. «Da wollen wir ganz klar hin!», sagte der polnische Mittelfeldspieler so kurz und trocken, wie er zuvor beim 3:0 (1:0)-Sieg gegen den Hamburger SV einen Elfmeter und einen Flachschuss versenkt hatte. Seit dem 15. Spieltag verteidigen die Kraichgauer den siebten Tabellenplatz, der nach dem derzeitigen Stand der Dinge in der Fußball-Bundesliga und im DFB-Pokal für das internationale Geschäft reichen könnte.

«Ich schaue nicht auf die Tabelle.» Das hatte Trainer Markus Gisdol in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt, vor dem HSV-Spiel aber zumindest angedeutet, dass in der Kabine das große Ziel längst ausgegeben ist: Die Mannschaft sei «brutal ehrgeizig, doch manche Dinge müssen hinter verschlossenen Türen bleiben». «Total» ehrgeizig, so erklärte es Sportchef Alexander Rosen nach dem Erfolg am Samstag, seien die Spieler – «aber man wolle nicht nach jedem Spieltag das Pendel ausschlagen lassen.»

Immerhin sei die Ausgangsposition so gut wie erst einmal zuvor in der noch jungen Bundesliga-Geschichte der TSG, die nun beim Abstiegskandidaten Paderborn nachlegen kann: Die Aufstiegssaison 2008/2009 mit dem sensationellen Gewinn der Herbstmeisterschaft hatte Hoffenheim als Siebter beendet.

Nach einer bis dato höchstens durchschnittlichen Rückrunde zeigte Gisolds Team diesmal eine «über 90 Minuten sehr konzentrierte Leistung», so Angreifer Kevin Volland. Der Chefcoach freute sich darüber, dass die Mannschaft «etwas reifer» wirkte und «in engen Spielsituationen kühlen Kopf bewahrt hat».

Die TSG nutzte gegen einen harmlosen HSV das Überzahl-Spiel aufgrund der Roten Karte für HSV-Keeper Jaroslav Drobny nach Notbremse an Sven Schipplock weidlich. Nach dem Elfmetertor Polanskis zum 1:0 (22. Minute) mussten die Gastgeber allerdings bis zur 81. Minute warten, ehe erneut Polanski Hoffenheim mit dem 2:0 erlöste. Sebastian Rudy (87.) machte den Endstand perfekt.

Es war Polanskis erster Tore-Doppelpack in der Bundesliga und nach lautstarker Aufforderung der Fans kletterte der 28-jährige Pole auf den Zaun und stimmte die «Humba» an. Nach dem Duschen war er wieder ganz der Alte, als er im schwarzen Käppi und Kapuzenpulli nüchtern den Sieg analysierte. «Es ist natürlich schön, zwei Tore zu machen. Beim Elfmeter habe ich mir den Ball genommen, weil ich mich sicher fühlte und Sali ja nicht auf dem Platz war», meinte er im Hinblick auf den Standardspezialisten Sejad Salihovic.

Die große Show liegt Polanski, der im defensiven Mittelfeld zuverlässig wie ein Uhrwerk seine Arbeit verrichtet, eigentlich nicht. Auch wenn er vor den Fans nach dem Mikrofon griff. Angesichts des zentralen Überangebots mit Pirmin Schwegler und Sebastian Rudy hatte er am Samstag auf die linke Seite ausweichen müssen – und war am Ende der gefeierte Mann. «Der macht mir Angst bei der Entwicklung. Am Ende wird er noch Stürmer bei uns spielen», scherzte Volland.