Fußball: 1899 Hoffenheim will sich vom Fall Rudy/Süle nicht aus der Ruhe bringen lassen

1899 Hoffenheim kann mit einem Remis oder einem Sieg gegen Bremen die Hinrunde ungeschlagen beenden. Nach dem Spitzenspiel gegen Dortmund dreht sich beim Tabellendritten aber vieles um den erwarteten Abgang von Sebastian Rudy und Niklas Süle.

Zuzenhausen (dpa/lsw) – Die brisanten Personalien Sebastian Rudy und Niklas Süle sollen den Höhenflug von 1899 Hoffenheim nicht bremsen. «Das hat bis zuletzt den Ablauf nicht gestört und wird ihn auch in Zukunft nicht stören», kommentierte Trainer Julian Nagelsmann am Montag Medienberichte, wonach die beiden Nationalspieler des nordbadischen Fußball-Bundesligisten im Sommer zum FC Bayern München wechseln. «Dass andere Verein ihr Interesse hinterlegen oder streuen, ist ja nicht das erste Mal», sagte der 29-Jährige vor der Partie der noch ungeschlagenen TSG am Mittwoch (20.00 Uhr/Sky) gegen Werder Bremen.

Konkret äußerte sich Nagelsmann aber nicht zur Zukunft von Kapitän Rudy und Abwehrspieler Süle. Allerdings hatte Hoffenheims Sprecher vor Beginn der Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass man keine Gerüchte kommentieren werde. Nach den Branchen-Gepflogenheiten verkündet ohnehin der künftige Arbeitgeber einen Transfer. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wollte sich bislang aber ebenfalls noch nicht dazu äußern.

Nach Medieninformationen soll Kapitän Rudy in München einen Dreijahresvertrag erhalten. Der Kontrakt des 26-Jährigen läuft im Sommer aus, er kann ablösefrei gehen. Nagelsmann hatte sich kürzlich optimistisch gezeigt, dass man den Mittelfeldspieler, der von seinem Ex-Trainer Markus Gisdol und von Bundestrainer Joachim Löw auch schon als rechter Verteidiger eingesetzt wurde, halten könne.

Der 21-Jährige Süle ist noch bis 2019 an Hoffenheim gebunden, er dürfte eine Ablösesumme in Höhe von etwa 20 Millionen kosten. «Ich hab‘ sie gerne bei mir und ich hätte sie auch gerne im Sommer noch hier», sagte Nagelsmann über seine zwei Leistungsträger.

Der Erfolgscoach erwartet nach dieser Saison «keinen großen Umbruch». Er sagte: «Wir werden es auch im Sommer hinkriegen, dass wir wieder eine gute Mannschaft auf dem Acker haben.» Nagelsmann baut dabei auf eine ähnlich gute Transferpolitik, wie sie die Hoffenheimer unter Sportchef Alexander Rosen in diesem Jahr hinbekommen haben. «Die große Kunst im Fußball ist, immer einen Schritt voraus zu sein», erklärte er vielsagend. «Wir sind für viele, wenn auch nicht alle Fälle gerüstet.»

Ein Abgang von Rudy, an dem auch der AC Mailand und der FC Sevilla Interesse zeigten, war längst absehbar beim derzeitigen Tabellendritten. Olympia-Teilnehmer Süle hatte nur mit einer kräftigen Gehaltsaufbesserung bei der TSG gehalten werden können. Dass er – wie zuletzt Roberto Firmino (für 41 Millionen Euro zum FC Liverpool) und Kevin Volland (für 20 Millionen zu Bayer Leverkusen) – an einen größeren Club verkauft wird, wäre alles andere als eine Überraschung.

Während die Hoffenheimer mit einem erfolgreichen Jahresabschluss gegen Bremen den dritten Platz und die niederlagenlose Bilanz ausbauen wollen, blickt die Liga gebannt auf das Spitzenspiel FC Bayern gegen RB Leipzig. «Ich schaue, dass ich in der ersten Halbzeit noch eine Viertelstunde reinkann, Fernsehen gucken», scherzte Nagelsmann vor den beiden zeitgleichen Partien.

Nagelsmann ist nach eigenen Angaben bei dem Spiel in München «relativ neutral», obwohl er im oberbayerischen Landsberg am Lech geboren ist und ihn Bayern-Chef Uli Hoeneß schonmal als Jugendtrainer verpflichten wollte. «Ich glaube, die Bayern müssen sich anstrengen», sagte er. «Ich sehe es trotzdem im Bereich des Möglichen, dass sie gewinnen. Aber es ist auch im Bereich des Möglichen, dass Leipzig gewinnt.»