Fussball: 1899 wie aus einem Guss – Leipzig ohne Chance

Da war RB Leipzig in Gedanken wohl schon bei der Königsklasse. Vier Tage vor dem Spiel gegen Besiktas Istanbul bricht der
Bundesliga-Zweite bei 1899 Hoffenheim ein. Sinsheim (dpa) – Mit einem sehenswerten Befreiungsschlag aus der Krise hat 1899 Hoffenheim den Bayern-Jäger RB Leipzig die vierte Saisonniederlage beigebracht. Die Mannschaft von Trainer Julian
Nagelsmann besiegte am Samstag in der Fußball-Bundesliga den Tabellenzweiten aus Sachsen gleich mit 4:0 (1:0). U21-Europameister Nadiem Amiri (13. Minute), zweimal Nationalspieler Serge Gnabry (52./62.) und Mark Uth (87.) mit seinem siebten Saisontreffer erzielten die Tore vor einem begeisterten Publikum. Leipzigs Rückstand zum FC Bayern München vergrößerte sich damit auf sechs Punkte. Nach dem vorzeitigen Europa-League-K.o. und der Lehrstunde in Hamburg zeigten sich die Kraichgauer wie verwandelt und schafften wieder den Anschluss an die Spitzengruppe. Der Rückstand von Leipzig auf den Spitzenreiter aus München ist derweil auf sechs Punkte angewachsen. Vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen Besiktas Istanbul
war es für RB zudem eine missglückte Generalprobe. Beide Teams mussten auf eine junge Hintermannschaft setzen. Bei
Leipzig fehlte der angeschlagene Kapitän Willi Orban, so spielten Ibrahima Konaté (18 Jahre) und Dayot Upamecano (19) die mitunter überforderten Innenverteidiger. Bei den Hoffenheimern übernahm Stefan Posch die Rolle des gesperrten Abwehrchefs Kevin Vogt ganz souverän. Wenigstens konnte der 20-Jährige auf einen erfahrenen Nebenmann vertrauen: Benjamin Hübner kehrte nach seinen Knieproblemen früher als erwartet zurück. Nach nicht einmal einer Viertelstunde sah die RB-Defensive schon alt
aus. Nach einem starken Spielzug über Dennis Geiger und Pavel Kaderabek ließ Lukas Rupp den Ball zu Amiri prallen, der aus spitzem Winkel die Führung erzielte. Die Szene war Spiegelbild einer Partie mit enormer Spielfreude – ein Genuss für die 28 299 Besuchern in der nicht ganz ausverkauften Sinsheimer Rhein-Neckar-Partie. Den „Nagelsmännern“ war nichts anzumerken von der „Ergebniskrise“, die der Chefcoach selbst ausgerufen hatte. Das 1:3 bei Sporting Braga und das 0:3 beim Hamburger SV hatten die Hoffenheimer bestens weggesteckt. Lauffreudig und kombinationssicher präsentierten sich zunächst aber auch die Gäste, deren Sportdirektor Ralf Rangnick an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehrte. Kaderabek prüfte nach einer halben Stunde mit einem Direktschuss Leipzigs Keeper Peter Gulacsi. Glück hatte Leipzig, als der Gegner einen Konter etwas schlampig ausspielte und Rupps Treffer wegen vorheriger Abseitsstellung nicht galt (34.). Leipzigs Timo Werner hatte gegen Hübner einen schweren Stand. Das Duell der Nationalstürmer mit Sandro Wagner war ohnehin ausgefallen, da der Hoffenheimer Angreifer verletzt fehlte. Trainer Ralph Hasenhüttl brachte zu Beginn der zweiten Halbzeit Stefan Ilsanker und Bruma, sein Team tat sich aber weiter schwer beim Versuch, hinter die Fünferkette der TSG zu kommen. Dagegen überlistete Kevin Akpoguma auf der Gegenseite mit einem hohen
Ball aus der eigenen Hälfte die Defensive von RB: Der einsame Gnabry hatte keine Mühe, an Gulacsi vorbei zum 2:0 einzuschieben. Kurz darauf nahm die Bayern-Leihgabe kurz hinter der Mittellinie Maß und düpierte den Gäste-Torhüter – ein Traumtor für den lange verletzten Angreifer. So war die Partie überrraschend früh entschieden. Uth nutzte noch eine der hochkarätigen Konterchancen zum 4:0. (mho/dpa)