Fußball: FCK vor Neustart

295 Tage. Keine Stunde länger soll sie dauern, die bleierne Zeit des 1. FC Kaiserslautern in der 3. Liga. Gründungsmitglied der Bundesliga. Verein der Weltmeister von 1954. Viermal Meister und zweimal Pokalsieger. Noch vor Jahresfrist war um den Betzenberg zu hören, eigentlich gehöre der FCK in die erste Liga. Stattdessen kam der Sturz in die 3. Liga. An diesem Samstag (14.00 Uhr) geht es zum Auftakt gegen 1860 München. Die Saison endet 295
Tage später, am 18. Mai 2019. Mit dem Aufstieg – so ist die Hoffnung. Dass der mehr als 100 Jahre alte Club für viele in der Region weitaus mehr ist als nur ein Fußballverein, wissen nicht nur eingefleischte Anhänger. „Man sollte keine Witze über den 1. FC Kaiserslautern machen“, warnt Mundart-Comedian Christian „Chako“ Habekost – nur halb im Scherz. Für manche ist der FCK fast eine Religion, für andere eine Ersatzfamilie, ganz sicher ist er aber auch ein Wirtschaftsfaktor.
Die Konjunktur in der Pfalzmetropole mit rund 100 000 Einwohnern bekam schon 2012 eine Delle, mit dem Abstieg des Vereins in die 2. Liga. „Für die Einkaufsstadt spielt der Verein aber schon lange keine große Rolle mehr“, sagt der Chef des Einzelhandelsverbands in Kaiserslautern, Matthias Pallmann. Anders sei das gewesen, als der FCK noch erstklassig war. „Da war an Samstagen die ganze Familie in Fanklamotten in der Stadt, das war ein Hochamt“, schwärmt Pallmann. „Der Abstieg kostet Kaiserslautern knapp 2,8 Millionen Euro jährlich. Es ist der Ausgleich, den die Stadt für die Minderung der Stadionmiete von 3,2 Millionen Euro auf 425 000 Euro an die städtische Stadion-gesellschaft leisten muss“, rechnet die Zeitung „Die Rheinpfalz“ vor. Die Kommune mit einer der höchsten Pro-Kopf-Verschuldungen Deutschlands, die jeden Euro umdrehen müsse, schmerze dies sehr. Es sei aber der Preis für eine Stadt, die in guten Zeiten von und mit dem FCK hervorragend und gerne gelebt habe. Die Zeiten sind schwierig. Das örtliche Opel-Werk ringt mit Kostensenkungen. Und immer wieder gibt es Spekulationen über einen möglichen Abzug von US-Soldaten. Die Amerikaner investieren viel in der Region, so fließt fast eine Milliarde Euro in den Bau eines
Krankenhauses im Kreis Kaiserslautern und rund 100 Millionen Euro in den Stützpunkt Ramstein. Das sind relevante Zahlen für eine Stadt mit einer Arbeitslosenquote von 8,9 Prozent (Stand Mai 2018). Fast 50 000 Plätze beherbergt das nach der FCK-Legende Fritz Walter (1920-2002) benannte Stadion, das über der Stadt thront. Mit Willen des Clubs sowie der Stadt und des damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) war die Arena für viel Geld für die WM 2006 ausgebaut worden. Fünf umjubelte WM-Spiele fanden dort dann statt – doch für den Liga-Alltag gilt das Stadion als überdimensioniert. Für viele steht es sinnbildlich für die Sehnsüchte, die sich nicht erfüllten. Seinen Anhang wird der Club wohl künftig brauchen wie selten zuvor. „Ohne diese Unterstützung geht es nicht“, sagt Vorstandschef Martin
Bader. Mehr als 33 000 Tickets hat der Verein bereits für den Auftakt gegen die Münchener Löwen verkauft. Sollte der FCK tatsächlich um den Aufstieg mitspielen, werden wohl auch in der 3. Liga durchschnittlich 20 000 Zuschauer zu Heimspielen kommen. Vor drei Jahren, in der 2. Liga, waren es noch 33 000. In der 3. Liga locken aber wohl nur
wenige Gegner Zehntausende auf den „Betze“. Damals: Dieses Wort fällt oft, wenn vom 1. FC Kaiserslautern die Rede
ist. Die Roten Teufel fegten in Glanzzeiten Real Madrid und Bayern München vom Platz. Vor genau 20 Jahren, 1998, führte Trainer Otto Rehhagel den Club vom Aufstieg direkt zur Meisterschaft. Das ist in der Bundesliga einmalig. Für FCK-Coach Michael Frontzeck scheint das manchmal zu viel Tradition. „Wir wollen nicht in der Vergangenheit
träumen, sondern den Blick nach vorne richten. Unsere ersten Gegner werden uns alles abverlangen“, warnt er in der „Bild“-Zeitung. Nun also ein Neustart in der 3. Liga. Auch dort behält der Verein seine Bedeutung für die Pfalz und das Selbstbewusstsein vieler Menschen. In ganz Deutschland gibt es einen Stamm an Anhängern, die Wurzeln dieser Fanschar reichen bis in die fünfziger Jahre. Damals sonnte sich der FCK im Erfolg, und dorthin will der Club zurück. In
295 Tagen.(dpa)