Fußball: Nach dem 4:0-Sieg – der VfB tut Hoffenheim richtig gut

Regelmäßig hat sich Hoffenheims Trainer Nagelsmann in dieser Saison über vergebene Chancen und Fehler seiner Abwehr geärgert. Ausgerechnet im Derby gegen den VfB legten die Kraichgauer diese Makel ab und reisen nun selbstbewusst nach Leipzig.

Vize-Weltmeister Andrej Kramaric zog schon bald nach dem Abpfiff schwungvoll seinen Rollkoffer hinter sich her und verschwand in den Feierabend. Der kroatische Stürmer der TSG 1899 Hoffenheim hatte beim 4:0 (0:0) im Bundesliga-Derby gegen den VfB Stuttgart bereits nach einer guten Stunde den Platz verlassen und sich beruhigt der Körperpflege widmen dürfen. Trainer Julian Nagelsmann freute sich, dass er nicht nur seinen teuersten Spieler schonen konnte. Erstmals nach 16 Pflichtspielen blieb sein Team ohne Gegentor und kämpfte sich in der Bundesliga-Tabelle weiter nach oben.

«Wir bekommen es jetzt gut hin, alle drei Tage zu spielen. Wichtig war auch, dass die Tore nach der Halbzeit früh fielen und wir es am Ende etwas ruhiger angehen lassen konnten, denn es stehen weiterhin schwierige Aufgaben vor uns», sagte Kapitän Kevin Vogt.

Vier Tage nach dem furiosen 3:3 in der Champions League gegen Olympique Lyon und vier Tage vor dem DFB-Pokal-Duell bei Nagelsmanns künftigem Club RB Leipzig zeigten die Hoffenheimer eine zerfahrene erste Halbzeit. Der Platzverweis von VfB-Profi Emiliano Insúa (8. Minute) erleichterte die Aufgabe zunächst nicht.

«Über die Rote Karte habe ich mich kurzfristig sogar geärgert, weil unser Plan nicht mehr so richtig gepasst hat. Dann mussten wir umstellen. In der zweiten Hälfte hatte der VfB keine Chance mehr», sagte Nagelsmann und erklärte selbstbewusst: «Mit so einer Leistung wie in der zweiten Halbzeit kann man auch im Pokal in Leipzig weiterkommen.»

Die Tore gingen allesamt auf das Konto von Neuzugängen: Der Niederländer Joshua Brenet (48. Minute), der Brasilianer Joelinton (51.) und zweimal der Algerier Ishak Belfodil (57./60.) zerlegten den VfB innerhalb von 13 Minuten. 30 150 Zuschauer in der ausverkauften Sinsheimer RheinNeckar-Arena sahen, wie die VfB-Hintermannschaft um Weltmeister Benjamin Pavard und Ex-Nationalspieler Holger Badstuber die Gastgeber zum Scheibenschießen einluden.

Von Rot verschont blieb erstaunlicherweise Insúas argentinischer Landsmann Santiago Ascacíbar, der Florian Grillitsch so hart auf den Fuß trat, dass der seit Wochen starke Mittelfeldspieler nach 36 Minuten vom Feld humpelte. Der Österreicher muss erstmal pausieren, teilte der Club am Sonntag mit. Eine MRT-Untersuchung soll eine genaue Diagnose erbringen. Pavel Kaderabek erlitt zudem eine Schulterprellung, als ihn die Stollen von Insúa trafen.

Nach dem Ausfall von Grillitsch brachte Nagelsmann Kerem Demirbay – und damit mehr Schwung ins Spiel. «Er kriegt von mir die Note 1 mit Stern. Kerem war sicher der Schlüsselspieler in der zweiten Halbzeit. Sehr stark!», lobte Nagelsmann. Der 31-jährige Coach hatte selbst gesehen, dass seine Anfangstaktik mit der Viererkette nicht aufging. «Der Trainer hat uns in der Halbzeit die Räume gezeigt, in die wir reingehen müssen», berichtete Demirbay. Danach trafen seine Kollegen im Angriff fast nach Lust und Laune. (lsw)