Fußball: Reiss Nelson verzückt Hoffenheim

Reiss Nelson verzückt den Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim. Sein Doppelpack beim 3:1-Auswärtssieg der Kraichgauer bei Aufsteiger 1.FC Nürnberg war der Garant für einen wichtigen Dreier. Dank des Teenagers kann das Team die nächste Königsklassen-Aufgabe entspannter angehen. Reiss Nelson grinste spitzbübisch, all das Lob und die Glückwünsche zum Matchwinner machten den Teenager dann aber doch etwas verlegen. Mit seinem ersten Doppelpack für 1899 Hoffenheim sorgte er nicht nur für das Ende der Mini-Krise des Clubs. Der 18-Jährige hat allerbeste Chancen, als weiterer Jung-Star von der Insel nach Dortmunds Jadon Sancho der Fußball-Bundesliga noch mehr englischen Touch zu verleihen. „Das war erst der Anfang, da kommt noch mehr“, versprach Nelson am Samstag
forsch. „Das war noch nicht der beste Reiss, der kommt erst noch.“ Solche Aussagen freuen die TSG, die sich rechtzeitig vor dem nächsten Gruppenspiel in der Champions League am Dienstag gegen Olympique Lyon aus dem Tief mit drei Niederlagen in Serie befreite. „Drei Punkte tun immer gut, in der Situation, wo wir waren, erst recht“, sagte Coach Julian Nagelsmann. „Ein Sieg ist immer bedeutend, vielleicht ist der noch ein bisschen bedeutender.“ Statt großer Zweifel überwiegt nun in Hoffenheim die Zuversicht, und das ist vor allem Nelson zu verdanken. Mit seinen sehenswerten Toren – einem Volley-Schuss in der 50. Minute und einem Wucht-Treffer unter die Querlatte aus spitzem Winkel in der 57. Minute – drehte der vom FC Arsenal ausgeliehen Offensivakteur die Partie. Hanno Behrens hatte den Club mit einem Foulelfmeter (18.) in Führung gebracht, Adam Szalai die deutlich überlegenen und geduldigen Gäste in der 67. Minute mit dem dritten Tor dann früh beruhigt. Coach Nagelsmann bemühte sich zwar, seinen Youngster nicht zu sehr zu loben und erinnerte an starke Vorlagen bei den Treffern. Allerdings weiß er auch, was er an dem Transfer-Schnäppchen hat. „Ich bin sehr zufrieden, er hat eine gute Präsenz gehabt“, sagte Nagelsmann. „Er hat an die Leistung von der U21 angeknüpft.“ Bei seinem Debüt für die Junioren der Three Lions überragte der Lockenkopf zuletzt mit zwei Toren, im Hoffenheim-Trikot steht er nun bei vier Treffern in vier Partien. Das sei „eine ganz ordentliche Quote“, meinte Nagelsmann. „Was will man mehr“, schrieb der Londoner bei Instagram. Bei seinem zweiten Startelf-Einsatz fand der 18-Jährige wie seine Nebenleute in der ersten Halbzeit gegen diszipliniert und tapfer mauernde Nürnberger noch keine Lücke. Nach dem Seitenwechsel aber spielten die Gäste vor 36 472 Zuschauern ihre Dominanz eiskalt aus. „Ich habe gerade einen Lauf“, sagte der Doppelpacker, der im Sommer für eine Saison von Arsenal ausgeliehen worden war und Serge Gnabry auf dem Flügel ersetzen soll. Der deutsche FC-Bayern-Nationalspieler war ebenfalls ausgeliehen und wusste zu überzeugten – nun darf Nachwuchsförderer Nagelsmann am nächsten Fußball-Juwel feilen. Dass dieses aus England kommt, bestätigt den Trend. Bei der WM im Sommer verzückten die zuvor noch regelmäßig enttäuschenden Engländer mit ihrem jungen Team und riefen reihenweise Scouts auf den Plan. Und weil die heimische Premier League oft auf Ausländer setzt, suchen junge Spieler ihr Glück anderswo. „Die Jungs gucken rüber zur Bundesliga, wo sie mehr Spiele bekommen“, erzählte Nelson. Dank der langen Verletztenliste hatte der Youngster bei Nagelsmann seine Chance bekommen und sie genutzt. „Ich muss weiter hart arbeiten um dann hoffentlich in die Stammelf kommen – vielleicht schon am Dienstag“, sagte Nelson vor dem Königsklassen-Match gegen Lyon. Dann könnte er zeigen, ob es den noch besseren Reiss schon jetzt gibt. (mho/dpa)