Germersheim: Spatenstich für Moschee von Protesten begleitet

Der islamische Verband Ditib errichtet eine neue Moschee. An einer Protestkundgebung mit Beteiligung der AfD nehmen 100 Menschen teil.

Germersheim (dpa/lrs) – Der islamische Verband Ditib hat am Samstag in Germersheim die Bauarbeiten für eine neue Moschee begonnen. Rund 600 Gäste seien zu dem Spatenstich gekommen, sagte der Vorsitzende der Germersheimer Gemeinde, Hayrettin Günes. Unter ihnen sei auch der für Rheinland-Pfalz zuständige Generalkonsul der Türkei gewesen.

An der Kundgebung einer Interessengemeinschaft Germersheim mit Beteiligung von AfD-Mitgliedern nahmen nach Polizeiangaben in 800 Metern Entfernung vom Spatenstich etwa 100 Menschen teil. Der AfD-Politiker Joachim Paul sagte, Ditib sei keine Religionsgemeinschaft, sondern ein Herrschaftsinstrument der Türkei. Die Versammlung verlief nach Angaben eines Polizeisprechers ebenso ohne Zwischenfälle wie die Kundgebung der Satirepartei Die Partei, zu der 16 Menschen kamen.

Der Baudezernent der Stadt, Norbert König, will den Moscheebau verschieben. Er habe am Freitag einen entsprechenden Antrag beim Verwaltungsgericht Neustadt eingereicht, sagte König der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben des Integrationsbeauftragten des Landes, Miguel Vicente, gibt es in Rheinland-Pfalz rund 150 Moscheegemeinden. Etwa zur Hälfte seien sie türkisch, sonst arabisch, bosnisch oder schiitisch geprägt. 13 Gemeinden planen derzeit eine neue Moschee.

Die Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) ist der größte islamische Verband in Deutschland. Die Verbindungen des Verbands zum türkischen Staat sind unter dem Eindruck der innenpolitisch angespannten Lage nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei von mehreren Parteien kritisiert worden. Die Landesregierung hat Gespräche mit Ditib und vier weiteren islamischen Verbänden über einen Vertrag für freie Religionsausübung und islamischen Religionsunterricht ausgesetzt.