Gewichtheben: Almir Velagic bester Deutscher bei WM

Almaty. Almir Velagic aus Leimen war einmal mehr auch der Stärkste. Bei den Gewichtheber-Weltmeisterschaften im kasachischen Almaty schaffte der 33 Jahre alte EM-Dritte 421 (Reißen 191/Stoßen 230) Kilogramm im olympischen Zweikampf und wurde Siebter in der Königsklasse Superschwergewicht. Damit war der frühere Schattenmann von Olympiasieger Matthias Steiner der beste Deutsche im 13-köpfigen Team. Stärkster Mann der Welt wurde erneut der Russen Ruslan Albegow mit 462 Kilo.

Ausgerechnet bei der ersten Olympia-Qualifikation hatte die deutsche Mannschaft einige Hänger und konnte nicht wie erhofft in Vorlage für die zweite Qualifikation im nächsten Jahr bei den Weltmeisterschaften in Houston gehen. Vergeben werden nach einem Punkteschlüssel Olympia-Startplätze für Nationen, persönliche Nominierungen gibt es nicht. Die Deutschen wollen drei bis vier Plätze bei den Männern und zwei bei den Frauen haben.

Zu viele Fehlversuche brachten die Athleten von Bundestrainer Oliver Caruso (Obrigheim) vom Kurs ab. In 33 von 78 Versuchen patzten die deutschen Hantel-Athleten. Das warf alle Vorhaben über den Haufen. Lediglich
die Karlsruherin Sabine Kusterer (Klasse bis 63 kg) brachte sechs gültige Versuche in die Wertung. Der Baunataler Alexej Prochorow (+105 kg) verpasste nach drei Fehlversuchen im Stoßen gar eine Zweikampfwertung, ebenso die Lörracherin Tabea Tabel (+75 kg), die schon im Reißen scheiterte. Dem 21 Jahre alten Talent Max Lang (77 kg) spielten bei seiner WM-Premiere die Nerven einen Streich, so dass der Chemnitzer eine bessere Platzierung als Rang 15 vergab.

Bei den europäischen Titelkämpfen sieben Monate zuvor lief es besser. Zumeist wurden die damaligen Leistungen oder die Lasten von den deutschen Meisterschaften drei Wochen zuvor nicht erreicht. „Wir müssen daraus Lehren ziehen“, sagte Caruso. Unter die ersten 20 kamen auch Julia Schwarzbach (Platz 15), ihr Ehemann Tom Schwarzbach (16), der Heidelberger Jürgen Spieß (16), Yvonne Kranz (17) sowie Robby Behm (18). Caruso: „Unser großes Ziel ist nicht Olympia 2016, sondern 2020.“ International ist einiges in Bewegung geraten. Gewichtheber-Nation Russland, die in den vergangenen zwei WM-Jahren zwölf bzw. 13
Goldmedaillen in allen Teildisziplinen gewonnen hatte, kam nur noch auf sieben Titel. Chinas Edelmetall-Marken standen in den Jahren zuvor bei 16 und 20 Mal WM-Gold, diesmal sprangen nur neun Titel heraus. In beiden Ländern wird neuerdings intensiver im Training auf Doping getestet. Bis Nordkorea scheint diese Maßnahme noch nicht vorgedrungen zu sein: Die Athleten der abgeschotteten Diktatur brachten es auf zwölf WM-Titel. Bei den vorangegangenen Titelkämpfen waren es nur einmal bzw. dreimal Gold. (dpa/wg)