SG Leutershausen: Rote Teufel kaufen Wilhelmshaven den Schneid ab

Mit einer Rumpftruppe gewinnen die „Roten Teufel“ gegen den hohen Favoriten 31:30

Was für eine Feier in der Heinrich-Beck-Halle: In einer von Schnelligkeit und Spielwitz geprägten Partie gewannen die Roten Teufel der SG Leutershausen gegen den Wilhelmshavener HV 31:30 (14:15). Damit brachten sie den stark favorisierten Nordlichtern die zweite Niederlage gegen einen Aufsteiger in Folge bei.

„Das waren die wichtigsten Punkte, die wir geholt haben, seit ich in Leutershausen bin“, sagte SGL-Trainer Marc Nagel nach der Partie. „Die Jungs waren heiß, sie haben daran geglaubt, dass sie dieses Spiel gewinnen können, und sie haben es sich am Ende genommen. Und Wilhelmshaven gibt einem kein Spiel.“ WHV-Trainer Christian Köhrmann zeigte sich zunächst noch ziemlich baff: „Ich muss mich nach diesem Spiel erst einmal erholen. In der ersten Halbzeit hat die Abwehr noch gut gestanden, später haben wir zu viele Würfe zugelassen. Wir arbeiten hart, aber im Moment ist nicht mehr drin.“

Bereits die erste Viertelstunde gehörte der SG Leutershausen. Ihr merkte man die Tatsache, dass sie in dieser Partie neben den Dauerverletzten Philipp Bauer und Jonas Kupijai auch auf ihren Kapitän Hannes Volk verzichten musste, kaum an. Spritzig kaufte sie den Gästen den Schneid ab, führte nach 13 Minuten 8:6. Danach aber häuften sich die Fehlwürfe. Leutershausen verpasste es, den Abstand zu vergrößern und ließ statt dessen Gegentreffer zu. Der WHV glich aus, der Vorteil der Hausherren aus der Anfangsphase verpuffte. Nach einer Auszeit der SGL sah es zunächst so aus, als könnten die Rot-Weißen das Heft des Handelns zurückholen, doch spielten die Gäste nun ihren körperlichen Vorteil aus. Bis auf 12:15 zogen sie davon, verpassten dann aber ihrerseits die Vier-Tore-Führung. Auf der anderen Seite gewann die SGL Durchschlagskraft und Witz zurück: Sascha Pfattheicher und Christopher Räpple nutzten die letzten siebzig Sekunden der Halbzeit und verkürzten auf 14:15.

„Beim 12:15 hätte ich nicht geglaubt, dass wir noch einmal zurückkommen. Da haben wir die Qualität von Wilhelmshaven gesehen“, so Nagel, „und auch bei einem 13:15 zur Pause hätte es wahrscheinlich nicht geklappt. Aber dieses 14. Tor hat den Jungs so viel Energie gegeben – das hat man in der Kabine schon gespürt.“

Die zweite Spielhälfte startete ausgeglichen, ehe um Minute 40 herum die Hausherren die wieder nur gut 450 Zuschauer in der Halle zum Toben brachten: Wo nahm die Rumpftruppe von Marc Nagel nur diese Energie her? Alexander Hübe im Tor begeisterte mit Paraden, die Abwehr um Matze Conrad, Alexander Kubitschek und Stefan Salger mit Blocks gegen die körperlich starken Wilhelmshavener, Sascha Pfattheicher, Christopher Räpple und Niklas Ruß mit pfeilschnellen Gegenstößen – eine Zwei-Tore-Führung war der Lohn. WHV-Coach Christian Köhrmann zog die grüne Karte: Eine Auszeit, um den Lauf der Bergsträßer zu unterbrechen. Tatsächlich glich Wilhelmshaven kurz darauf aus, aber noch immer erschien Leutershausen agiler und ideenreicher. Valentin Spohn, mit neun Treffern erfolgreichster Werfer der SGL, packte in dieser Phase des Spiels ein ums andere Mal die Fackel aus – harte Würfe aus dem Rückraum, die WHV-Goalie Adam Weiner vor unlösbare Aufgaben stellten.

Die Schlussminuten – reine Nervensache: Die SGL seit dem 26:25 in der 53. Minute immer einen Umlauf vorne – bis zum Siebenmeter beim Stand von 30:30 und der Zeit von 59:35 auf der Uhr. Christopher Räpple trat an und verwandelte sicher – und dann das Bangen: Würden es am Ende ein oder zwei Punkte werden? Der Wurfversuch des Wilhelmhaveners Tobias Schwolow in letzter Sekunde ging übers Tor: 31:30 – und der Jubel in der Heinrich-Beck-Halle nahezu grenzenlos. (rkü)

SG Leutershausen: Hübe, Mangold, Zahn, Salger 8, Räpple 4/1, Pfattheicher 3/0, Lierz, Ruß 6, Spohn 9, Kubitschek 1, Conrad, Karpstein.

Wilhelmhavener HV: Bokesch, Weiner, Maas, Kalafut 1, Vorontsov 6, Köhler 3, Barkow 1, Mertens 6, Schweigart, Köhrmann 4, Kozul 1, Schwolow 7/1, Drechsler 1.