Löwen: Nach Coup in Skopje Gruppensieg möglich

Hendrik Pekeler staunte beim Blick auf die klatschenden und singenden mazedonischen Fans. „Das“, sagte der
Kreisläufer der Rhein-Neckar Löwen, „würde es in Deutschland nicht geben.“ Die Anhänger von Vardar Skopje veranstalteten einen Höllenlärm, sie feierten ihre Mannschaft – selbst in schlechten Zeiten wie am Samstag, als die Löwen in der Champions League überraschend mit 29:26 (15:15) in der mazedonischen Hauptstadt triumphierten und plötzlich wieder mittendrin sind im Kampf um den Gruppensieg. Der Handball-Bundesligist liegt in der Tabelle mit 11:5 Punkten nur noch einen Zähler hinter dem Spitzenreiter Skopje (12:4). „Wir haben bei einer der heimstärksten Mannschaften und in einer der gefürchtetsten Hallen Europas gewonnen. Jetzt ist wieder alles drin“, freute sich der überragende Mads Mensah Larsen, der ebenso wie Harald Reinkind sieben Treffer erzielte. Trainer Nikolaj Jacobsen hatte den beiden Rückraumspielern das Vertrauen geschenkt, nachdem sie zuletzt nicht so viel Einsatzzeit bekommen hatten. Er machte mit diesen Personalentscheidungen ebenso alles richtig wie mit der taktischen Ausrichtung. Konsequent agierten die Nordbadener bei Ballbesitz mit sieben Feldspielern, nur drei Mal wurde diese riskante Variante mit einem Gegentreffer ins verwaiste Tor bestraft. „Wir hatten einen mutigen Trainer – und er ist dafür belohnt worden“, lobte der Sportliche Leiter Oliver Roggisch. In der ersten Halbzeit begegnete der deutsche Titelträger dem mazedonischen Meister auf Augenhöhe, immer wieder kamen die Löwen dank des Überzahlspiels zu klaren Chancen und nutzten diese. „Wir haben sehr gut mit Sieben gegen Sechs gespielt, das war der Schlüssel zum Sieg“, meinte Mensah Larsen, der sich mit seiner Mannschaft nach dem Seitenwechsel aber auch enorm in der Abwehr steigerte. Mit einer 5:1-Formation brachten die Löwen die mehr und mehr ratlosen Mazedonier zur Verzweiflung, hinter dem nordbadischen Bollwerk stand mit Mikael Appelgren zudem ein überragender Torwart.Der Schussmann gewann das Duell gegen Skopjes Weltklasse-Keeper Arpad Sterbik klar, der spanische Ausnahmekönner zwischen den
Vardar-Pfosten war insbesondere gegen Reinkinds und Mensah Larsens Rückraum-Würfe machtlos und wurde mehrfach ein- und ausgewechselt – das hat er in seiner Karriere noch nicht so oft erlebt. „Wir waren in der Abwehr, im Tor und im Angriff besser“, lobte Roggisch nach der kollektiven Glanzleistung: „Da fällt es schwer,
überhaupt einen Spieler hervorzuheben.“ Bereits beim 25:19 nach 49 Minuten war die Begegnung entschieden und die Revanche für die 27:33-Niederlage im Hinspiel perfekt. Am Donnerstag sind die Löwen erneut auswärts in der Champions League am Ball. Es geht dann wieder auf den Balkan, diesmal nach Kroatien zu HC Zagreb. „Wenn wir eine Chance auf den Gruppensieg haben wollen, müssen wir ab jetzt jedes Spiel gewinnen“, gab Pekeler die Richtung vor. Doch das wird, wie es Mensah Larsen formulierte, „sauschwer“. (dpa)