Heidelberg: Ex-Tanzpartnerin erstochen – lebenslange Haft gefordert

Tango war sein Leben, viel mehr hatte der Angeklagte nicht. Als er eine Tanzpause einlegen sollte, drehte er laut Staatsanwaltschaft durch – und tötete seine Ex-Partnerin. Aber war es tatsächlich Mord?

Heidelberg (dpa/lsw) – Er hat seine Ex-Freundin und Tanzpartnerin laut Anklage monatelang verfolgt und schließlich zugestochen: Die Heidelberger Staatsanwaltschaft forderte für den 61-Jährigen am Dienstag eine lebenslange Haftstrafe. Der Angeklagte habe sein mutmaßliches Opfer zuvor solange als Stalker verfolgt, bis eine gerichtliche Kontaktsperre gegen ihn verhängt worden sei, sagte Oberstaatsanwältin Christiane Vierneisel. Der Mann habe mehrere Monate nicht an Tanzveranstaltungen teilnehmen dürfen. Das sei für ihn schlimm gewesen: «Tangotanzen war ein sehr wichtiger Bestandteil seines Lebens.»

Während die Anklagebehörde die Tat vom Oktober 2013 als Mord wertet, sieht die Verteidigung des Mannes diese als Totschlag – unter anderem, da sich das Opfer bei der folgenschweren Begegnung noch habe wehren können. Die Anwältin des Mannes forderte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

«Verzweiflung war hier das leitende Motiv», sagte Verteidigerin Inga Berg. «Sein Leben: Er stand vor einem Scherbenhaufen.» Die Liebesbeziehung und später Freundschaft mit der früheren Tanzpartnerin sei ein ständiges Auf und Ab gewesen. Die Frau habe keinen klaren Schlussstrich gezogen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat die 59-Jährige das sehr wohl: Seit Januar 2013 sei unmissverständlich klar gewesen, dass sie keinen Kontakt zu dem Angeklagten mehr wünsche. Dieser habe das nicht eingesehen, ihr Auto zerkratzt und sie verfolgt. Auch sei er rasend eifersüchtig auf ihre Tanzpartner gewesen.

Schließlich habe er sie mit 14 Messerstichen in ihrem Vorgarten ermordet. «Er stellte seine eigenen Bedürfnisse rücksichtslos in den Vordergrund», sagte Vierneisel. Motive für die Tat seien das gegen ihn verhängte Tanzverbot, übersteigerte Eifersucht, Rache, Wut und Verzweiflung über die Zurückweisung durch die Frau.

Der Angeklagte brach am Ende des Verhandlungstages in Tränen aus. «Ich wollte das Gegenteil von dieser unbeschreiblichen Katastrophe», sagte er schluchzend. Während der Plädoyers hielt er die meiste Zeit die Augen geschlossen und stützte seinen Kopf auf die Hände. «Ich bin auch mit der Tat gestorben.» Ihm sei das Ganze unbegreiflich. Die Leiche der Frau wurde in ihrem Vorgarten entdeckt. Der Mann hatte sich laut Staatsanwalt im Neckar ertränken wollen, verlor dort aber das Bewusstsein und kam in ein Klinikum. Die Kammer will ihr Urteil am Donnerstag (17. Juli) verkünden.