Heidelberg: Gewaltambulanz verzeichnet deutlich mehr Kindesmisshandlungen

Schläge, Tritte, Würgen – die Heidelberger Gewaltambulanz verzeichnet während der Corona-Krise deutlich mehr Kindesmisshandlungen. „Wir gehen von einer vorübergehenden Verdreifachung der Fälle aus“, sagte die Leiterin Kathrin Yen der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, ohne absolute Zahlen zu nennen. Sie fügte hinzu: „Aus rechtsmedizinischer Sicht ist eine baldige Öffnung der Kitas wünschenswert.“ An diesem Mittwoch beschäftigt sich die Bund-Länder-Runde mit Lockerungen für Kitas, die derzeit nur Notbetreuung anbieten. Yen betonte, es sei sinnvoll, wenn die Kinder sich wieder in einem größeren Umfeld bewegten, in dem Erzieherinnen, Lehrkräfte, Verwandte oder Nachbarn Verletzungen wahrnehmen könnten. Auch die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt vor allem gegen Frauen habe sich in der Corona-Krise deutlich erhöht. Die Heidelberger Ambulanz ist die einzige ihrer Art im Südwesten: Opfer von Gewalt können sich unmittelbar nach der Tat an die rund um die Uhr besetzte Ambulanz wenden, um ihre Verletzungen dokumentieren zu lassen. Die rasche Sicherung der Spuren – etwa Sperma – ist wichtig, weil sie 24 Stunden später kaum noch nachgewiesen werden können. Nach der Untersuchung können die Menschen überlegen, ob sie zur Polizei gehen und Anzeige erstatten wollen. Im Jahr 2019 kümmerten sich die Heidelberger Experten um 520 Opfer von Gewalt. (dpa/lsw/asc)