Heidelberg: Heideldruck-Chef kämpft um schwarze Null

Es ist die erste große Bewährungsprobe für Gerold Linzbach. Der Vorstandschef von Heidelberger Druckmaschinen war im September 2012 mit dem Ziel angetreten, das angeschlagene Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu führen. Am Mittwoch (7. Mai) gibt es die vorläufigen Jahreszahlen – dann muss der 58-Jährige liefern. Nach fünf Jahren in den roten Zahlen habe das Ergebnis Signalwirkung nach innen und nach außen, sagt ein Unternehmenssprecher. „Das ist ja auch ein psychologischer Effekt.“ Nachdem sich der Markt drastisch verändert hat, versucht Heideldruck seit Jahren, sich gesundzuschrumpfen. Es ist viel Vertrauen in den Maschinenbauer verloren gegangen, bei den Banken und bei den Kunden. Sie werden diesmal die Jahreszahlen ganz genau im Blick haben. „Bei den Beschäftigten spielt das eher eine untergeordnete Rolle, aber bei den Kapitalgebern und den Banken wird Linzbach daran gemessen“, sagt der Heidelberger IG-Metall-Geschäftsführer Mirko Geiger. „Er muss alles daran setzen, die schwarze Null zu zeigen.“ Linzbach hatte stets Optimismus versprüht. „Er sieht das so ein bisschen als erste Halbzeit“, sagt der Sprecher. Erst die schwarze Null einfahren – und in der zweiten Halbzeit das Unternehmen so aufstellen, dass es trotz konjunktureller Schwankungen profitabel dastehe. Was die schwarze Null angeht, sind Analysten zuversichtlich. Jasko Terzic von der DZ Bank rechnet mit einem deutlichen Umsatzschub im traditionell starken vierten Quartal. Für das operative Geschäft seien die Jahreszahlen aber nur ein Meilenstein von vielen. „Um nachhaltig profitabel zu sein und Verbindlichkeiten zu begleichen, braucht es mehr als nur eine schwarze Null“, sagt er. „Für Linzbach und die Aktie sind die Zahlen von sehr hoher Bedeutung: Erstmals seit fünf Jahren dürfte eine schwarze Null erreicht worden sein, ohne negative Überraschungen.“ Linzbach hat bei Heidelberger Druckmaschinen vieles umgestellt: Das Unternehmen ist nun in zehn Geschäftsfelder unterteilt; jedes muss regelmäßig berichten, ob es profitabel ist. Die Führungskräfte tragen mehr Verantwortung. Außerdem setzt er verstärkt auf strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen, jüngst etwa mit Fujifilm. Linzbach fährt zudem einen strikten Sparkurs. Sein Ziel, die Mitarbeiterzahl bis Mitte 2014 auf höchstens 13 500 zu drücken, hat er bereits erreicht. Vor einigen Jahren hatte Heideldruck noch fast 20 000 Beschäftigte. Die Mitarbeiter sind nach Jahren des Stellenabbaus verunsichert. In einigen Bereichen läuft noch Kurzarbeit. Die Stimmung sei verhalten, sagt Gewerkschafter Geiger. „Wer seit fünf Jahren diesen Prozess erlebt hat, bei dem verfliegt die Angst nicht von heute auf morgen.“ Zuletzt hatte der starke Euro den Maschinenbauer auf seinem Weg in die schwarzen Zahlen ausgebremst. „Wenn diese blöde Währungsthematik nicht gewesen wäre, hätten wir richtig Geld nach Hause getragen“, sagte Linzbach im Februar. Wegen der im Vergleich zum Euro schwachen lokalen Währungen schieben Druckereien etwa in Brasilien und Japan ihre Investitionen auf. Von den Verkäufen kam aus diesen Regionen wegen der Umrechnungseffekte außerdem zuletzt weniger Geld in Heidelberg an. Seinen Verlust konnte Heideldruck von April bis Dezember aber von 94 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 40 Millionen Euro mehr als halbieren. Großes Potenzial für die Zukunft sieht das Unternehmen im Digitaldruck. Ein Ansatzpunkt ist es, gewölbte Flächen industriell zu bedrucken, zum Beispiel Fußbälle oder Busse. Gewerkschafter Geiger begrüßt Innovationen, appelliert aber an Linzbach, in der Region zu produzieren. „Es nützt uns wenig, wenn neue Produkte kommen, aber die Standorte in der Region nichts damit zu tun haben.“ (dpa/lsw)