Heidelberg: Heideldruck kämpft sich mit Umstrukturierung aus der Krise

Mit veränderten Angeboten, Stellenstreichungen und mehr Verkäufen zum Jahresende will der Maschinenbauer Heidelberger Druck auch in diesem Jahr eine schwarze Null erreichen. Er wolle die Ära der jährlichen Unsicherheiten beenden, sagte Konzernchef Gerold Linzbach am Mittwoch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Im vergangenen Geschäftsjahr war es Heideldruck nach fünf Verlustjahren in Folge gelungen, einen Jahresüberschuss von vier Millionen Euro zu erzielen. Nach einer schweren Branchenkrise versucht der Konzern seit Jahren, sich gesundzuschrumpfen. Zum
Jahresende zieht der Verkauf bei dem Konzern traditionell an.
Neben einem strikten Sparprogramm setzt Heidelberger Druck vor allem auf eine Umstellung der Angebotspalette. Margenschwache Geschäfte
werden abgestoßen, strategische Partnerschaften sollen Synergien schaffen. Linzbach richtet etwa den Bereich der Maschinen zur Weiterverarbeitung neu aus: Ende Oktober sei ein Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Unternehmen Masterwork Machinery geschlossen worden. Der Partner in Asien übernimmt künftig Entwicklung und Herstellung von Produkten für dieses Marktsegment, während sich die Heidelberger weiterhin um Vertrieb und Service kümmern.
Auch das Bogen-Offsetdruck-Geschäft soll profitabler werden. Durch die Umstrukturierung in diesem Bereich fallen bis zum Ende des Jahres weitere Stellen weg, kündigte Linzbach an. Betroffen seien 400 bis 500 Arbeitsplätze. Details nannte er nicht. Insgesamt wolle er aber Ruhe in die Belegschaft hineinbringen. „Es ist nicht sehr sinnvoll, mit Mitarbeitern psychologisch Fußball zu spielen.“ Die Beschäftigtenzahl ging im  Vorjahresvergleich  weiter um rund 600 auf 12 393 zurück.
Die Umstrukturierung drücke allerdings wie erwartet auf den Umsatz, sagte Linzbach. „Sie können nicht aus Geschäften aussteigen, ohne dass Kunden erstmal abwarten mit dem nächsten Kauf.“ Auch schlechtere Geschäfte in China hätten dazu geführt, dass der Umsatz zwischen Anfang April und Ende September um 9 Prozent auf 996 Millionen Euro gesunken sei. „In China ist irgendwie in diesem Jahr quer durch alle Industrien der Wurm drin“, sagte der Konzernchef. Alle anderen Regionen liefen den Erwartungen entsprechend.
Die Heidelberger möchten auch im Digitalgeschäft wieder stärker mitmischen, nachdem sie sich 2004 daraus zurückgezogen hatten. „Wir haben erkennen müssen, dass die Kunden mehr und mehr nach zusätzlichen digitalen Lösungen suchen“, sagte Linzbach. Auch das Experiment 3-D-Druck trage erste Früchte: Zwei Maschinen seien ausgeliefert worden. Auf diese Weise sollen gewölbte Flächen wie zum Beispiel Fußbälle bedruckt werden.
Um die schwarze Null zu erreichen, bleibt für Heidelberger Druckmaschinen noch einiges zu tun. Das Nachsteuerergebnis war in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres noch immer tiefrot, verbesserte sich aber um 5 Millionen Euro auf einen Verlust von 42 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sprang von minus 7 Millionen Euro auf plus 19 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2014/15 rechnet Linzbach mit einem Umsatzrückgang um fünf Prozent. (dpa/lsw)