Heidelberg: Hilde-Domin-Preis an Edgar Hilsenrath verliehen

Für sein Lebenswerk hat der 1926 geborene deutsch-jüdische Schriftsteller Edgar Hilsenrath am gestern Abend den mit 15.000 Euro dotierten Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2016 der Stadt Heidelberg erhalten. Bürgermeister Dr. Joachim Gerner überreichte den Preis im Heidelberger Rathaus an Hilsenrath. Die Jury bezeichnete Hilsenrath in ihrer Begründung als „Schriftsteller, dessen Lebenswerk der Erfahrung von Exil in literarisch einzigartiger, kühner Weise Ausdruck verliehen hat.“ Hilsenrath selbst sagte im Vorfeld der Preisverleihung in einem Interview, das einzige Verhältnis, das er zu Deutschland habe, sei das zur deutschen Sprache, nicht aber zum „deutschen Volk“ oder dem, was man „deutsche Kultur“ nennt. „Ich kam 1975 nicht nach Deutschland, sondern zur deutschen Sprache zurück“, so Hilsenrath.

Edgar Hilsenrath wurde 1926 als Sohn eines Kaufmanns in Leipzig geboren und musste 1938 mit der Mutter aus Halle, wo er seine Jugend verbrachte, zu den Großeltern nach Rumänien in die Bukowina fliehen. 1941 wurde er in ein jüdisches Ghetto in der Ukraine deportiert. Hilsenrath überlebte, kehrte in die Bukowina zurück und wanderte 1945 nach Palästina aus. 1947 fand er mit der Familie in Lyon zusammen und ging 1951 nach New York, wo der Hauptteil sowohl von „Nacht“ als auch von „Der Nazi & der Friseur“ entstand. 1975 kehrte er wegen der deutschen Sprache nach Deutschland zurück. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland, darunter den Preis des Präsidenten der Republik Armenien sowie die Ehrendoktorwürde der Staatlichen Universität Eriwan.

Der Preis „Literatur im Exil“

Der Preis „Literatur im Exil“ wurde 1992 von der Stadt Heidelberg anlässlich des 80. Geburtstages der Ehrenbürgerin und ersten Preisträgerin Hilde Domin gestiftet. Seitdem wird die Auszeichnung alle drei Jahre an Schriftstellerinnen und Schriftsteller vergeben, die im Exil in Deutschland leben oder als Nachkommen mit diesem Thema in Berührung kamen, sich literarisch damit auseinandersetzten und in deutscher Sprache publizieren. Die Vergabe kann entweder für eine Einzelleistung oder in Anerkennung des Gesamtwerkes erfolgen. Bei ins Deutsche übersetzten Werken kann der Übersetzer oder die Übersetzerin nach Ermessen der Jury bis zu einem Drittel am Preis beteiligt werden. Der Preis ist dotiert mit 15.000 Euro. Zu Ehren Hilde Domins wurde der Preis nach ihrem Tod im Februar 2006 in „Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil“ umbenannt. 2016 wird er erstmals im Rahmen des Programms der UNESCO City of Literature Heidelberg vergeben.

Bisherige Preisträger

Neben Hilde Domin erhielten den Preis bisher der Autor SAID, Boris Chasanow und dessen Übersetzerin Annelore Nitschke, Stevan Tontic, Hamid Skif, Sherko Fatah, Oleg Jurjew sowie Abbas Khider. (Stadt Heidelberg/mj)