Heidelberg: Kein Ankerzentrum im Patrick Henry Village – Rolle rückwärts im BAMF

Das Heidelberger Ankunftszentrum für Flüchtlinge soll doch nicht in ein Ankerzentrum umgewandelt werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sieht das nach Auskunft von Montagnachmittag nicht vor. Zuvor war berichtet worden, in einem internen Dokument des Bundesamtes sei Heidelberg als einer von zwölf Standorten für die geplanten Ankerzentren genannt. Dabei steht die Abkürzung für Ankunft, Entscheidung, Rückführung. Die Stadt Heidelberg begrüßte die Nachricht. Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) betonte: „Wir lehnen das Konzept eines Ankerzentrums klipp und klar ab.“ Die Landesregierung habe ihm auch gesagt, dass sie ein solches nicht mittragen werde. Der nächste Schritt für Heidelberg sei ein Zeitplan für die Verlagerung des derzeitigen Ankunftszentrums. Dieses durchlaufen in der Regel alle Asylbewerber, die nach Baden-Württemberg kommen, bevor sie auf die vier Landeserstaufnahmestellen verteilt werden. Seit 2015 werden Flüchtlinge dort registriert und können vor Ort auch einen Asylantrag stellen. Anders als bei den geplanten Ankerzentren werden nach Angaben des zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe die Flüchtlinge auch bei negativem Bescheid nicht direkt von dort abgeschoben, sondern auf die Erstaufnahmestellen verteilt. Die 2000 Plätze in Heidelberg sind derzeit mit 1493 Menschen belegt.

Baden-Württembergs Innenministerium sieht das Heidelberger Ankunftszentrum als Vorbild an. „In Baden-Württemberg haben wir ein erfolgreiches Modell mit einem Ankunftszentrum in Heidelberg und vier Landeserstaufnahmeeinrichtungen im Land“, hieß es aus dem Haus von Innenminister Thomas Strobl (CDU). Dieses Modell solle die Registrierung, die Asylanträge und die Anhörung beschleunigen und Flüchtlinge ohne Bleiberecht möglichst schnell zurückführen. Innenstaatssekretär Julian Würtenberger betonte, das Land habe gegenüber der Nürnberger Behörde bereits vor zwei Wochen deutlich gemacht, dass das Ankunftszentrum kein Ankerzentrum sei. Auch der grüne Innenexperte Uli Sckerl unterstrich: „Es wird in Baden-Württemberg mit uns Grünen kein Ankerzentrum nach den Vorstellungen des Herrn Seehofer geben.“ Für die SPD im Landtag machte Fraktionsvize Sascha Binder deutlich, dass die von Innenminister Horst Seehofer (CSU) geplanten Einrichtungen im Südwesten unerwünscht seien. (dpa)