Heppenheim/Geisenheim: Reb-Schädlinge – Wildschweine schlimmer als Kirschessigfliege

Hessens Winzer müssen im Zuge des Klimawandels mit Insekten kämpfen, die bisher in Mitteleuropa nicht heimisch waren. Darunter ist die aus Asien eingeschleppte Kirschessigfliege, die dieses Jahr allerdings wegen der wochenlangen Hitze kaum eine Bedrohung ist. «Da wird nichts mehr anbrennen», glaubt der Vorsitzende der Bergsträßer Winzergenossenschaft, Reinhard Antes. «Wir wissen nicht, was noch kommt», gibt sich Peter Seyffardt, Präsident des Rheingauer Weinbauverband, etwas zurückhaltender.

Die Kirschessigfliege liebt die feucht-warme Witterung. Im Weinberg befällt sie vor allem frühreife Rotweinsorten. Daher haben sich an Bergstraße und im Rheingau die Schäden in den vergangenen Jahren in Grenzen gehalten, da in beiden hessischen Weinbauregionen bevorzugt Weißwein angebaut wird.

Mit Sorge wird der Vormarsch der amerikanischen Rebzikade gesehen, die in den Nachbarländern schon beträchtliche Schäden angerichtet hat. Die Zikade bringt ein Bakterium mit, das die Rebstöcke befällt. Dazu wird an der Weinbau-Hochschule in Geisenheim geforscht. «Sie steht vor den Toren», sagt Prof. Annette Reineke, Expertin für die Erkrankung von Pflanzen.

Aktuell sind für die Weinbauverbände die größte Gefahr die Wildschweinpopulationen. «Diese haben sich dramatisch ausgeweitet», sagt Antes. Die Schweine wühlen im Boden nach Engerlingen und halten sich auch an Trauben gütlich. Im Rheingau werden Spätburgunder-Parzellen deshalb eingezäunt. «Wildschweine sind Feinschmecker», witzelt Seyffardt. (lrs)