Heppenheim: Odenwaldschule ändert Konzept

Nach heftiger Kritik an ihrem Internatskonzept
ist die Odenwaldschule zu einem entscheidenden Kurswechsel bereit.
Bis zum neuen Schuljahr – und damit schneller als von
Aufsichtsbehörden verlangt – soll es eine neue Regelung geben, um
Kinder besser vor sexuellem Missbrauch zu schützen. „Wir wollen, dass
Lehrer nicht mehr gleichzeitig Betreuer von Internatsgruppen sind“,
sagte der Vorsitzende des Schul-Trägervereins, Gerhard Herbert, am
Samstag in Heppenheim nach einer Mitgliederversammlung.
Nach den Plänen sollen die Lehrer in den als „Familien“ bezeichneten
Gruppen in ihrer Rolle als Betreuer durch Sozialpädagogen ersetzt
werden. Das wäre eine strikte Trennung zwischen Schule und Internat.
Das bringe zwar finanzielle Probleme mit sich, sei aber einmütig
beschlossen worden. „Wenn wir uns nicht verändern würden, würde das
das Ende der Odenwaldschule bedeuten.“
Die bisherige Doppelfunktion als Lehrer und Betreuer ist ein
besonderes Konzept der Odenwaldschule. Sie teilte mit, für das
Entwickeln der Alternative sei eine Projektgruppe aus
Internatsleitung, Pädagogen, Schülern und externen Fachleuten
einberufen worden.
Als Aufsichtsbehörde hatte der Kreis Bergstraße dem Internat zum
Umsetzen von Reformen Zeit bis zum 1. Oktober gegeben. Auch das
hessische Sozialministerium ist eingeschaltet. „So lange wollen wir
uns aber nicht Zeit lassen“, sagte Herbert. Die Privatschule habe
auch mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen und müsse möglichst
schnell ein neues Konzept präsentieren.
An der Odenwaldschule waren 2010 lange vertuschte sexuelle Übergriffe
an die Öffentlichkeit gelangt. Dafür wurde auch eine zu große Nähe
zwischen Lehrern und Schülern verantwortlich gemacht. Offiziell wird
die Zahl von 132 Opfern genannt. Die Schule entschuldigte sich und
versprach ein konsequentes Aufarbeiten und Schutzmaßnahmen.
Zuletzt hatte es wieder neue Verdächtigungen gegeben, die sich laut
Staatsanwaltschaft allerdings nicht erhärteten. Ermittelt wird aber
gegen einen inzwischen entlassenen Lehrer, der zugab, sich vor seiner
Zeit an der Odenwaldschule aus dem Internet Kinderpornos
heruntergeladen zu haben. Die Vorfälle führten dazu, dass die Kritik
von Aufsichtsbehörden wie auch vom Opferverein „Glasbrechen“ wieder
lauter wurde.
Die Entscheidung des Trägervereins werde von der Leitung der Schule
genauso wie von der Leitung des Internates mitgetragen, sagte
Herbert. Hier hatte es zuletzt Gerüchte gegeben, die
Internatsleiterin Juliana Volkmar habe gekündigt. Einen personellen
Wechsel gebe es lediglich bei der Präventionsbeauftragten Regina
Bappert. Diese Aufgabe soll künftig eine externe Person wahrnehmen.
Bappert war selbst Odenwaldschülerin gewesen.