Heppenheim: Odenwaldschule entlässt weitere Lehrkraft

Nur wenige Wochen nach der Entlassung eines Lehrers wegen des Besitzes von Kinderpornos hat die Odenwaldschule erneut einer Lehrkraft gekündigt. In diesem Fall handelt es sich laut einem Bericht der «Frankfurter Rundschau», der am morgigen Donnerstag erscheint, um eine Lehrerin des Internats, die mit Schülern in ihrer Lehrerwohnung Partys gefeiert haben soll. Die Schüler sollen dort übernachtet haben, auch hat die Frau der Zeitung zufolge Schüler in deren Zimmer besucht.

Ein Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft bestätigte den Fall auf dpa-Anfrage. Es gebe aber keinen Zusammenhang mit einem strafrechtlichen Verhalten. Das Wort Missbrauch sei nicht gefallen.

Auch der Vize-Landrat des zuständigen Landkreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), bestätigte die Freistellung der Frau dem Bericht zufolge: «Das ist uns auch mitgeteilt worden. Wir stellen gerade Nachfragen», wird er zitiert. Die betroffene Lehrerin sei nach den Unterlagen, die seiner Behörde vorlägen, auch als «Familienhaupt» im Internat eingesetzt gewesen.

An dem Familienkonzept des südhessischen Reform-Internats entzündet sich immer wieder Kritik. Lehrer und Schüler wohnen dort in Gruppen zusammen. Erst kürzlich hatte die Schule eine Änderung versprochen.

Die Lehrerin war laut dem Bericht mit einem Zeitvertrag angestellt, nun wurde sie bis dessen Ablauf beurlaubt. Der Vorsitzende des Schul-Trägervereins Gerhard Herbert sagte, es gebe ein klares Reglement, an das sich alle halten müssten. Die Schule habe sich nicht zu dem Fall äußern wollen, schreibt die Zeitung.

An der Odenwaldschule waren 2010 lang vertuschte sexuelle Übergriffe an die Öffentlichkeit gekommen. Offiziell wird die Zahl von 132 Opfern genannt. Kritiker gehen von wesentlich mehr Betroffenen aus. (lsw)