Heßheim/Frankenthal: Ermittlungsverfahren zu Deponieunfall 2018 mit zwei Toten eingestellt

Bei einem Unglück in einem Zwischenlager für Sondermüll im pfälzischen Heßheim sterben zwei Menschen. Die Staatsanwaltschaft hat nun nach langer und aufwendiger Suche die Ermittlungen eingestellt.

Im Fall des tödlichen Deponieunglücks im pfälzischen Heßheim hat die Staatsanwaltschaft Frankenthal das Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eingestellt. „Trotz sorgfältiger Ermittlungen konnte kein Nachweis erbracht werden für eine Straftat von einer lebenden Person“, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde am Donnerstag. Beim Umfüllen eines Kanisters in einen Tank war es am 21. August 2018 in dem Sonderabfallzwischenlager im Rhein-Pfalz-Kreis zu einer chemischen Reaktion gekommen. Dabei wurde hochgiftiger Schwefelwasserstoff freigesetzt, zwei Mitarbeiter starben. Wegen möglicher Ordnungswidrigkeiten sei das Verfahren an die Struktur- und Genehmigungsdirektion Neustadt/Weinstraße abgegeben worden, sagte der Sprecher. Dies sei zunächst eine Vorsichtsmaßnahme. Eine konkrete Ordnungswidrigkeit könne derzeit nicht benannt werden.

 

Zur Einstellung der Ermittlungen habe unter anderem geführt, dass Zeugenaussagen nicht konkret genug gewesen seien. „Der betreffende Container ist im Oktober 2017 eingegangen, der Unfall ereignete sich im August 2018. Dazwischen liegen viele Monate mit ständig ähnlichen Abläufen.“ Zeugen hätten eine eher abstrakte Erinnerung gehabt. Die Staatsanwaltschaft habe lange und aufwendig ermittelt. „Wir haben uns auch mit der Sorgfaltspflicht beschäftigt“, betonte der Sprecher.

 

Es gehöre zur bitteren Wahrheit, dass die beiden Männer möglicherweise noch leben könnten, wenn ein Lackmustest des Stoffes durchgeführt worden wäre. Vermutlich habe die Etikettierung des Containers die Männer zu ihrem fatalen Handeln verleitet. Den Ermittlungen zufolge war es beim Umfüllen des Inhalts eines 60-Liter-Kanisters in einen teilgefüllten, 1000 Liter fassenden anderen Container zu einer chemischen Reaktion gekommen. Der freigesetzte, stark toxische Schwefelwasserstoff führt bereits in außerordentlich niedrigen Konzentrationen zu einem „inneren Ersticken“. Ein Gruppenleiter und sein Mitarbeiter starben. „Die Kollegen der Verstorbenen aus dem Umfüllbereich des Sonderabfallzwischenlagers haben geschildert, dass die beiden bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten immer sehr sorgfältig gehandelt hätten“, teilte die Staatsanwaltschaft der pfälzischen Stadt mit. „Es bestand demzufolge auch kein Anlass dafür, deren Tätigkeit zu kontrollieren.“ (dpa/cag)