Hirschberg: Wo die Martinsgänse schnattern

Das Geschnatter der vielen Gänse ist schon von weitem zu hören. Schnell watscheln die Tiere aus dem Weg, als Hans
Mayer eiligen Schrittes über das große, eingezäunte Gelände geht. Die Aufregung der Tiere ist verfrüht. Der Landwirt und seine Helfer kommen erst in einigen Tagen, um einen Teil des Federviehs zur Schlachtung abzuholen. Mit dem Martinstag am 11. November beginnt wieder die Saison für Gänsebraten. So ist es Tradition.
Auf dem Hof von Hans Mayer in Hirschberg – gelegen im äußersten Nordosten Baden-Württembergs – wird einiges geboten. Der 61 Jahre alte Mann und seine Familie bauen Wein an, Pferde stehen auf der Koppel, es gibt Getreidefelder und eben seit 1991 Gänse. „Etwa 80 Prozent unserer Gänse werden von Privatleuten gekauft, der Rest geht an Restaurants in der Region“, sagt der Landwirt, der seit einiger Zeit auf einem Auge blind ist und dennoch robust wirkt.
Hört man Mayer zu, wie er von seinen Tieren schwärmt und wie leidenschaftlich er betont, dass die freilebenden Weidegänse nur Mais und Getreide zum Fressen bekämen, dann wird nachvollziehbar, dass Stammkunden den persönlichen Kontakt im Hofladen der Mayers bevorzugen – vor allem, wenn es um die Martinsgans geht. Der
Familienbetrieb gehört zwar nicht zu den größten Anbietern von Gänsen; mit etwa 1000 Tieren im Jahr liegt der Gänsehof Mayer aber im oberen Durchschnitt. „Hier in der Rhein-Neckar-Region gibt es zahlreiche Kunden, die bereit sind, auch einen guten Preis für eine Gans zu zahlen“, sagt Mayer. Aktuell liegt der Preis für ein Kilogramm Gänsefleisch bei 13,90 Euro.
Damit bewegt sich der Preis im Durchschnitt für die in Deutschland gehaltenen und geschlachteten Gänse, wie Klaus-Peter
Linn vom Geflügelwirtschaftsverband Baden-Württemberg sagt. Allerdings seien heutzutage etwa vier von fünf Gänsen, die in Deutschland verspeist werden, tiefgefroren und kämen aus Polen oder Ungarn. Hier koste das Kilogramm etwa 3,50 Euro, wie er schätzt. Das bedeute aber mitnichten, dass es bald keine deutschen Gänsehalter mehr gebe, sagt Linn. Im Gegenteil – es sei wegen der guten Qualität sogar eine aufsteigende Tendenz beim Verkauf deutscher Gänse zu beobachten. dpa/ feh