Hoffenheims Serie hält: Trainer Nagelsmann ist die Tabelle „piepegal“

Hoffenheim ist auch nach dem Derby die Nummer eins im baden-württembergischen Fußball. Der Bundesligist hat schnell seine Neuzugänge integriert und bleibt ungeschlagen.

Von Ulrike John, dpa

Sinsheim (lsw) – Für Julian Nagelsmann ist es nur eine «klassische Momentaufnahme». Zweifellos aber eine ganz schöne, nachdem sich der 29-jährige Trainer in der vergangenen Saison mit seiner Mannschaft noch im Abstiegskampf herumschlagen musste. 1899 Hoffenheim ist nach sieben Spieltagen in der Bundesliga noch ungeschlagen, hat ebenso viele Punkte wie Borussia Dortmund (13) und sonnt sich nun erstmal im oberen Tabellendrittel. «Jetzt geht es nach Leverkusen und dann kommt Berlin – das sind richtig schwere Spiele. Wenn wir danach immer noch ungeschlagen sind, können wir richtig zufrieden sein», meinte Torschütze Sandro Wagner nach dem 2:1 (1:0) am Samstag im badischen Derby gegen den SC Freiburg.

Nach dem dritten Erfolg in Serie gab Nagelsmann am Sonntag seinen Spielern erstmal frei. Die erwecken derzeit den Eindruck, als hätten sie schon relativ viel von dem verinnerlicht, was der jüngste Erstliga-Coach von ihnen verlangt. Allerdings spielte die TSG nach dem Führungstor von Sandro Wagner (34. Minute), begünstigt durch einen Lapsus von Caglar Söyüncü, wieder etwas zu sorglos weiter und wurde vor 28 540 Zuschauern prompt durch den Ausgleichstreffer von Florian Niederlechner (77.) bestraft.

«Was heute wieder gefehlt hat, war das zweite Tor. Da hatten wir drei, vier Möglichkeiten, viel früher den Deckel draufzumachen», kritisierte Sebastian Rudy das nicht neue Phänomen. «Dann könnten wir so eine Partie auch mal ruhig zu Ende spielen.»

Der Nationalspieler und Kapitän war dann eine Schlüsselfigur in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena, als Schiedsrichter Deniz Aytekin in der 81. Minute Strafstoß pfiff und Caglar Söyüncü erneut der Pechvogel war. «Ich denke, dass es ein klarer Elfmeter war, ich krieg einen Check gegen den Kopf», sagte Rudy.

Als Ballverteiler im Mittelfeld hat Rudy in dieser Saison einen Stammplatz, und um ihn herum hat sich fast eine halbe Mannschaft neu gefunden. In Wagner, Kerem Demirbay, Lukas Rupp, Kevin Vogt und Benjamin Hübner standen gleich fünf Neuzugänge in der Startformation. So muss selbst das große Talent Nadiem Amiri um einen Platz kämpfen und kam nur von der Bank.

Wagner holte sich zwar eine Rüffel von Nagelsmann ab, weil er mal wieder am Boden liegend Zeit schindete. Doch der Ex-Darmstädter als Stoßstürmer ergänzt sich wunderbar mit dem quirligen Andrej Kramaric, der auch den Elfmeter zum 2:1 verwandelte. «Nach sechs Spielen habe ich jetzt dreimal getroffen. Wenn man das hochrechnet, wird es eine ganz ordentliche Saison», meinte Wagner. «Wichtiger ist aber, dass wir uns als Mannschaft gefunden haben. Ich bin gespannt, was noch kommt.»

Nagelsmann erinnerte daran, dass nach den vier Unentschieden zum Saisonstart fast schon eine kleine Krise herbeigeredet wurde. «Es geht immer sehr, sehr schnell in alle Richtungen», warnte der TSG-Coach und versicherte: «Ich hab‘ die Tabelle gar nicht angeschaut, sie ist mir piepegal.»