Kaiserslautern: Krisendiskussionen beim FCK – Neuer Aufsichtsrat ohne Dagmar Eckel

Zur viel befürchteten Schlammschlacht ist es auf der Mitgliederversammlung des 1. FC Kaiserslautern nicht gekommen, aber hitzige Diskussionen entbrannten rund um die Frage: Wie kann der Fritz-Walter-Club seinen Existenzkampf überstehen? „Uns ist bewusst, dass wir uns in einer enorm schwierigen Phase befinden, dass der Verein eine große Krise durchlebt“, gestand der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Nikolai Riesenkampff gestern vor der Wahl des neuen Gremiums. Der Fußball-Zweitligist befindet sich nach dem 2:3 am Freitagabend in Heidenheim abgeschlagen am Tabellenende – der erste Abstieg in die dritte Liga droht. Die Verantwortlichen des Vereins äußerten dennoch ihre Hoffnungen auf Klassenverbleib: „Ich erwarte, dass wir dem Ziel Klassenerhalt alles unterordnen, dass wir Nebenschauplätze begraben“, forderte der Vorstandsvorsitzende Thomas Gries. Finanzvorstand Michael Klatt forderte als „Plan A“ den Klassenverbleib und verkündete einen Gewinn von 1,2 Millionen Euro aus dem Geschäftsjahr 2016/2017 – vor allem erzielt durch Spielerverkäufe. Der Verein werde nach Zeiten leerer und sogar „feuchtgewischter“ Kassen wieder als vertrauenvoller Geschäftspartner wahrgenommen, sagte Klatt. Die Verbindlichkeiten haben sich jedoch auf 14,5 Millionen Euro erhöht. Zudem gilt es, jährlich fast 10 Millionen Euro an Miete und Unterhalt für die WM-Arena von 2006 aufzubringen. Um finanzielle Spielräume zu erarbeiten, sei die Ausgliederung der Profi-Abteilung unabdinglich, betonte Klatt. Darüber wird jedoch erst bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung 2018 entschieden. Direkt entschieden wurde aber, wer im neuen Aufsichtsrat sitzt. Die über 1200 anwesenden stimmberechtigten Vereinsmitglieder wählten Patrick Banf, Paul Wüst, Michael Littig, Jürgen Kind und Jochen Grotepaß. Damit verpasste Dagmar Eckel, die Tochter des letzten lebenden „Helden von Bern“ Horsts Eckel, den Einzug in das fünfköpfige Gremium. Vor der Wahl hatten einige Mitglieder die Aussprache für harsche Kritik an den Vereinsführenden genutzt: „Was passiert, wenn wir in die 3. Liga absteigen? Dazu habe ich noch keine Antwort gehört“,
kritisierte ein Fan aufgebracht. Als Vorstandschef Gries sagte, sich momentan nicht zu sehr mit der 3. Liga beschäftigen zu wollen, sondern nur mit der „Vision vom Klassenerhalt“, erntete er Buhrufe. Ein weiteres Mitglied urteilte in Richtung der Verantwortlichen scharf: „Sie machen alle einen verdammt ehrlichen und einen bodenständigen Job, aber Sie machen keinen guten.“ Über mögliche Fehler früherer Vorstände wie des heutigen U21-Nationaltrainers Stefan Kuntz wurde ebenfalls diskutiert in der Halle des Fritz-Walter-Stadions. Es ging unter anderem um Vorwürfe der Mitglieder wegen der 2013 auferlegten „Betze-Anleihe“. Die Millionen daraus landeten nicht – wie angekündigt – ganz in der Nachwuchsförderung. Dies sei zwar beabsichtigt gewesen, antwortete ein Anwalt, den die mit der Aufklärung befassten derzeitigen Club-Verantwortlichen hinzugezogen hatten. Aber nur beabsichtigt und nicht juristisch dingfest festgelegt. Er riet von einer Klage gegen alte Vorstände ab – wegen der zu erwarteten hohen Prozesskosten und möglicher negativer Publicity. Gegen den Antrag, dem Vorstand die Einsetzung eines internen Untersuchungsausschusses zur Aufklärung von Sachverhalten aus der Zeit seit 2010 zu empfehlen, stimmte eine knappe Mehrheit von 50,2 Prozent. Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat wurden zudem entlastet – das Kontrollgremium aber nur mit 52,6 Prozent der Stimmen. (dpa/lrs/asc)