Kandel: Konfliktforscher regt Gesprächsforen an

Nach dem gewaltsamen Tod der 15-jährigen Mia in Kandel sowie zahlreichen Demonstrationen von rechts und links sind viele Menschen in dem südpfälzischen Ort verunsichert. Sie fühlten sich „möglicherweise ein bisschen verloren“, weil sie „weder von der einen Seite, noch von der anderen Seite wirklich abgeholt“ würden, sagte der Leiter der Friedensakademie Rheinland-Pfalz, der Landauer Junior-Professor Janpeter Schilling im Interview. Er regte die Schaffung von Foren an, in denen die Menschen sich austauschen und über die Frage „was passiert hier eigentlich?“ reflektieren könnten. Es sei wichtig, „eine Spaltung von Kandel“ zu verhindern und zu sagen: „Das ist eigentlich ein Anlass, bei dem wir als Kandeler jetzt zusammenrücken müssen“. Auch in den Schulen könnte das Thema aus Sicht von Schilling gezielt angegangen werden. Zu den zahlreichen Demonstrationen sagte der Konfliktforscher: „Normalerweise ist davon auszugehen, dass es eine Hochphase gibt, die sich aber wieder abschwächt.“ Die 15-jährige Mia war Ende Dezember vermutlich von ihrem Ex-Freund, einem Asylbewerber aus Afghanistan, erstochen worden. Seitdem kommt der Ort nicht zur Ruhe. Es gibt immer wieder fremdenfeindliche Demonstrationen und Gegendemonstrationen. Der Prozess gegen den Verdächtigen soll im Sommer beginnen. (mho/dpa)