Kreis Bergstraße: Robert Koch-Institut wertet Daten über mutierte Varianten des Coronavirus mit aus

Rund 90 Fälle des mutierten Coronavirus sind bereits im Kreis Bergstraße festgestellt worden. Hauptsächlich handelt es sich dabei um die britische Variante B.1.1.7. Vor allem in drei Kindertageseinrichtungen sind hierbei Infektions-Cluster auffällig, betroffen sind jeweils Einrichtungen in Gorxheimertal, Lampertheim und Rimbach. Aufgedeckt wurden die Mutationscluster aufgrund der umfassenden Teststrategie des Kreises Bergstraße und der Entscheidung des Gesundheitsamtes, sehr frühzeitig auffällige Infektionsfälle im Labor sequenzieren zu lassen, also auf das Vorliegen einer bekannten Corona-Mutante untersuchen zu lassen.

Bei bestätigten Fällen wurden auch die Proben aus dem Umfeld umfassend sequenziert. Das Ergebnis versetzte das Bergsträßer Gesundheitsamt in die Lage, die Infektionsketten gut nachverfolgen und auch mit den entsprechenden Maßnahmen, die von der individuellen Quarantäne bis zur Schließung von Einrichtungen reichen, unterbrechen zu können.

„Für uns hat sich durch den intensiven Einsatz und die umfassende Sequenzierung ein sehr gutes Lagebild ergeben, durch das unser Gesundheitsamt zielgerichtet handeln konnte“, sagte Gesundheitsdezernentin Diana Stolz. Die so festgestellten Infektions-Cluster mit dem mutierten Virus hat aber auch andernorts großes Interesse hervorgerufen, nachdem das Gesundheitsamt einen Austausch mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin angestoßen hatte. Das RKI kam darauf mit zwei Mitarbeiterinnen aus Berlin, um sich knapp eine Woche lang die Daten und das Infektionsgeschehen genauer anzusehen.

Das Hauptinteresse des RKI gilt dabei der Verbreitung des mutierten britischen Virus. Durch genauere Untersuchung der Bergsträßer Daten möchten die Experten des RKI neue Erkenntnisse erlangen, wie sich das mutierte Virus verbreitet und wie die Übertragungsdynamik in den verschiedenen Kontaktkonstellationen zu bewerten ist. Diese Erkenntnisse könnten auch in die künftigen Handlungsempfehlungen des RKI im Umgang mit den Virus-Mutationen mit einfließen. Der Kreis Bergstraße verfügt über eine sehr gute Datenlage. Hintergrund sind die Kontaktnachverfolgung, die durch das Gesundheitsamt erfolgt, die umfassende Teststrategie und die frühzeitige hohe Sequenzierungsrate im Kreis Bergstraße.

Diana Stolz ist über die Rückmeldung aus Berlin froh: „Uns hilft die Zusammenarbeit mit den Experten des RKI auch sehr, denn auch wir lernen dadurch Infektionscluster mit der mutierten Virusvariante noch genauer zu bewerten. Wir sind deshalb sehr dankbar und froh für den Austausch.“ Das Gesundheitsamt hat deshalb auch mit zwei Mitarbeitenden die Arbeit des Robert-Koch-Instituts eng begleitet und alle benötigten Daten anonymisiert zur Verfügung gestellt. Bereits am Freitag, dem 19.02.2021, sollen erste Ergebnisse aus der Untersuchung in die Ausführungen des RKI im Rahmen der Pressekonferenz in Berlin mit einfließen.

„Wir sind gespannt, welche Erkenntnisse das RKI aus diesen Daten, auch in Verbindung mit denen aus anderen Infektionsclustern in Deutschland, finden kann, und sind froh, dass wir mit unserer Arbeit einen Beitrag dazu leisten konnten, mehr Erkenntnisse über das mutierte Corona-Virus und seine Übertragungsdynamik zu sammeln. Denn für die richtige Strategie im Umgang mit dem Corona-Virus benötigen wir vor allem möglichst genaue Informationen für die Bewertung von Kontaktkonstellationen und die daraus resultierenden Handlungskonsequenzen,“ erklärte Dr. Alexander Beile, Leiter des Gesundheitsamts. Deswegen werde das Gesundheitsamt auch weiterhin das RKI unterstützen, der weitere Kontakt wurde bereits vereinbart.

Nach derzeitigen Kenntnisstand ist die britische Corona-Mutante B.1.1.7 noch leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als der bisher zirkulierende sogenannte Wildtyp. Damit verbunden soll diese Variante eine höhere Reproduktionszahl aufweisen, wodurch sich die Ausbreitung des mutierten Virus schwerer eindämmen lässt. Noch ist unbestätigt, ob die Corona-Variante auch mit schwereren Krankheitsverläufen einhergeht. Allerdings gibt es erste Hinweise, die auf eine erhöhte Fallsterblichkeit hinweisen. Aufgrund der sehr begrenzten Datenlage ist dies aber noch nicht sicher. Indes gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe bei der britischen Variante geringer wäre. Die Daten aus dem Kreis Bergstraße sollen nun dabei helfen, mehr Erkenntnisse über die Corona-Mutation zu sammeln. (Quelle: Pressemitteilung Kreis Bergstraße)