Landau: Mordprozess nach Tod einer Seniorin

Die Täter kamen in der Nacht, und sie hatten sich ein wehrloses Ofer ausgesucht: Eine 86jährige Frau wurde im vergangenen Mai in ihrem Haus in einem Landauer Stadtteil überfallen und beraubt. Ihre Peiniger misshandelten die alte Dame so heftig, dass sie an ihren Verletzungen starb. Wegen dieser Tat stehen von Montag (23. Januar) an zwei Männer vor dem Landauer Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftlichen Mord, Raub und Einbruchsdiebstahl vor. Die Tat in dem knapp 1100 Einwohner zählenden Ortsteil Mörlheim sorgte für Entsetzen unter den Bürgern, sagt Ortsvorsteher Joachim Arbogast. Fast jeder habe die Frau gekannt, die am Tag noch mit dem katholischen Kirchenchor aufgetreten sei. „Das ist eine ganz extreme Geschichte.“ Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft waren die Männer im Alter von 25 und 29 Jahren in der Nacht auf den 19. Mai 2016 über das Hoftor des Anwesens geklettert, das am Rande des Ortsteils liegt. Ihr Ziel sei es gewesen, Wertgegenstände und Bargeld zu entwenden. Sie sollen an einen Rollladen geklopft und das Opfer so dazu gebracht haben, diesen und das Fenster zu öffnen. Im Haus sollen die Männer mit großer Brutalität gegen die Frau vorgegangen sein. Laut Anklage traten und schlugen sie auf sie ein, um zu erfahren, ob sie Bargeld und Schmuck versteckt hat. Außerdem durchsuchten sie das Haus nach wertvollen Dingen. Aus Wut über die aus seiner Sicht zu geringe Beute soll der Jüngere der Männer die bereits erheblich verletzte Frau erneut getreten haben. Schließlich flüchteten die Täter laut Anklage mit Schmuck und Bargeld im Wert von etwa 300 Euro. Die lebensgefährlich verletzte 86jährige ließen sie demnach zurück, ohne Hilfe zu rufen. Die alte Dame starb einige Stunden später alleine in ihrem Haus auf dem Boden liegend. Die Tochter der Frau fand am selben Tag die Leiche ihrer Mutter. DNA-Spuren am Tatort führten die Beamten auf die Spur des 25jährigen, der nach Angaben von Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig wie sein mutmaßlicher Komplize wegen diverser Diebstähle bekannt war. Er wurde im vergangenen Juni in Mannheim gefasst und gestand laut Staatsanwaltschaft, dass er an der Tat beteiligt war. Er will die Frau aber nicht selbst getreten oder geschlagen haben. Der andere Angeklagte macht nach Angaben von Oberstaatsanwältin Möhlig von seinem Schweigerecht Gebrauch. „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass eine weitere Person an der Tat beteiligt gewesen sein könnte“, sagt die Oberstaatsanwältin. Der Mann sei aber auf der Flucht. Bis Mitte Februar sind fünf weitere Termine angesetzt. Das Gericht rechnet mit großem Andrang, wie Sprecher Robert Schelp sagt. Nach seinen Angaben hat der Vorsitzende Richter Sicherungsmaßnahmen angeordnet. (dpa)