Leinsweiler/Südpfalz: Museale Korkenzieher

Der Hals ein Korkenzieher, der Mund ein Flaschenöffner, der Hut ein Schnapsmaß und der Fuß ein Cocktail-Löffel: Wer als Barkeeper dieses Spezialwerkzeug in Figurenform besitzt, ist für alle Fälle gewappnet. Hergestellt wurde es um 1900 in den USA – eigens für Barkeeper. Heute gehört es Oliver Steiner und seiner Lebensgefährtin Annette Minges. Die beiden betreiben das Korkenzieher Museum im südpfälzischen Leinsweiler. An die 350 Geräte zum Entfernen des Stopfens finden sich in dem ehemaligen Weinkeller. Insgesamt hortet das Paar nach eigenen Angaben etwa 900 Stück. „Je älter, je edler“, sagt Annette Minges. Nobelstes Teil der Privatsammlung ist ein klappbarer Metall-Korkenzieher, der einst Kaiser Wilhelm II. gehört haben soll. Als dieser ins Exil musste, habe der Korkenzieher den Besitzer gewechselt, sagt Steiner. Er und Minges erhielten die Rarität mit der Aufschrift „Königliche Kellerei 18“ von einem Bekannten, der laut dem Paar mit dem Schwiegersohn des Leibdieners von Wilhelm II. befreundet war. Ein anderer Korkenzieher ist in einer Figur „versteckt“, die scherzhaft nach dem Urheber des früheren US-Alkoholverbots (Prohibition), Senator Volstead, benannt ist. Viele Geräte verblüffen durch ihre Funktionsweise. Da ist der
„Klingenkorkenzieher“, dessen dünne Klingen zwischen Flaschenhals und Korken geschoben werden, so dass man den Korken bewegen und
herausdrehen kann. Um 1900 entstand das Exemplar aus dem Museum. Und das funktioniert? „Früher war der Anpressdruck nicht so hoch“,
erklärt der gelernte Küfer Steiner. Der Korken steckte lockerer in der Flasche. Vorteil dieses Stöpselziehers: Der Korken hatte kein Loch, man konnte ihn wiederverwenden. In diesem Sinne funktioniert auch der aus den 50er Jahren stammende „Korkenfischer“, mit dem man einen Stopfen retten kann, den der Zecher mangels Korkenzieher in die Flasche gedrückt hatte. Er besteht aus einem Griff und langen, dünnen Metallstäbchen mit gebogenem Ende, mit denen man den Korken „packen“ kann. Andere Korkenzieher haben zusätzlich einen Glasschneider oder einen Haarpinsel zum Entstauben einer Flasche. Die Spanne reicht von der einfachen Bohrspirale mit Ring für den Ziehfinger bis zum raffinierten Hebelmechanismus. Ältestes Stück ist ein ausklappbarer Taschenkorkenzieher von 1780/90 aus England. 1795 meldete der englische Pfarrer Samuel Henshall das erste Patent für Korkenzieher an. So lange wie den Wein gibt es den Korkenzieher noch nicht. „Das
Grundprinzip – die archimedische Schraube – ist uralt“, sagt Bernhard Maurer, der ein Korkenziehermuseum in Vogtsburg am Kaiserstuhl
betreibt. Damit hätten schon die alten Ägypter Wasser nach oben befördert. Und auch der Korken sei alt. Aber erst seit 360 Jahren werde der Wein so wie heute in Flaschen abgefüllt. „Es gibt Unterlagen in England über Abfüllmethoden“, erklärt Maurer, der nach eigenen Angaben über 1200 Geräte hat. Erst mit der industriellen Flaschenfertigung sei es losgegangen, sagt Steiner. „Vorher wurde alles in Fässern gelagert.“ Eine Zeit lang wurde alles Mögliche mit Kork verschlossen, unter anderem auch Gift- und Medizinfläschchen. Im Museum in Leinsweiler steht ein nur fünf Zentimeter großer Korkenzieher mit Elfenbeingriff, der zum Öffnen von Arzneimittelflaschen gedacht war. Korkenzieher dienten aber auch als Werbeträger, etwa für die Firma Pfaff. Oder sie hatten eine erotisch-derbe Komponente, zum Beispiel wenn der Korkenzieher das Geschlechtsteil des Mannes darstellt. Der Erfindungsreichtum der Schöpfer kennt kaum Grenzen. „Allein auf Korkenzieher gibt es über 2000 angemeldete Patente“, sagt Steiner. Ein ideales Gebiet für Sammler also. Steiner und die gelernte Winzerin Minges haben vor etwa 15 Jahren damit begonnen. Sie haben auf Flohmärkten im In- und Ausland schon manchen Euro für Korkenzieher ausgegeben. „Das ist wie eine Sucht“, sagt Steiner, der auch von der Mechanik der Geräte fasziniert ist. Auf 1500 bis 2000 Euro schätzt er den Wert seines teuersten Stücks. Es seien aber auch fünfstellige Summen drin. Seine Begeisterung teilt das Paar mit Gleichgesinnten vom Verein der Korkenzieherfreude, die sich regelmäßig treffen. (rnf)